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Edeka als Begründung / Jetzt schon Mietrückstände / Räumungsverkauf im Januar

Keine Chancen mehr im Wettbewerb: Markant-Markt schließt Ende 2008

Bad Eilsen (kk). Der Markant-Markt an der Bad Eilsener Wilhelmstraße beendet zum 31. Dezember seinen regulären Geschäftsbetrieb. In einer Pressemitteilung begründet Inhaber Steffen Hohmann die Schließung mit dem Beschluss des Gemeinderates, baurechtlich den Weg für den Neubau eines Edeka-Neukauf-Marktes freizumachen. Allerdings muss es auch aus anderen Gründen wirtschaftlich für Markant schon länger nicht mehr besonders gut gelaufen sein - so gibt es wohl erhebliche Mietrückstände . Wie Hella Rinne, die sich um Vermietung des Objektes kümmert, mitteilt, sei der Markt seit einem Jahr die Miete schuldig geblieben.

Der Markant-Markt in Bad Eilsen wird geschlossen - sehr zum Leid

Die Nachricht vom "Aus" für Markant kommt nicht unbedingt überraschend. Familie Hohmann hatte bereits seit einigen Jahren öffentlich und im Gespräch mit Kommunalpolitikern immer wieder gewarnt: Der Markant-Standort sei nicht zu halten, wenn mit Edeka-Neukauf 1100 Quadratmeter Verkaufsfläche in Bad Eilsen neu hinzu kämen. Auch der neue Netto-Markt in Heeßen an der Grenze zu Bad Eilsen hat nach Angaben von Steffen Hohmann deutlich Umsatzeinbußen für Markant gebracht. Die schlechte wirtschaftliche Lage und ungewisse Zukunftsaussichten haben die Familie Hohmann nun veranlasst, sich "geregelt" aus dem Geschäft zurückzuziehen. Neben acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zum größten Teil Teilzeitkräften, sind viele Stammkunden von der Schließung betroffen. "Gerade die älteren Menschen, die jetzt nicht mehr in der Nähe ihrer Wohnungen einkaufen können, tun mir leid," sagte Steffen Hohmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch von denen allein könne sein Geschäft leider nicht leben. In diesem Zusammenhang dankte der Kaufmann ausdrücklich allen Kunden und Mitarbeitern für ihr jahrelanges Vertrauen. Bis zum 31. Dezember wird Markant noch sein gewohntes Angebot einschließlich frischer Lebensmittel, Molkereiprodukte, Fleisch- und Wurstwaren, Tageszeitungen und Zeitschriften aufrechterhalten. Danach soll es im Januar einen Räumungsverkauf geben, um die restlichen Waren zu verwerten. Bis auf weiteres geöffnet bleibt der Postshop. Hier ist Hohmann vertraglich an Vereinbarungen mit der Deutschen Post AG gebunden. Er hofft jedoch auf eine einvernehmliche Lösung mit der Post zur Auflösung dieses Vertrages. Zum Thema Zukunft der Post nahm Samtgemeindebürgermeister Bernd Schönemann am Montagabend bereits im Samtgemeinderat Stellung. Laut Post AG solle der bestehende Shop bis 30. Juni geöffnet bleiben, für die Zeit danach werde man sich um einen neuen Standort in Bad Eilsen bemühen. Mit einer Stellungnahme zur Schließung des Marktes tat sich Bürgermeister Horst Rinne gestern sichtlich schwer. Kein Wunder: Der Familie Rinne gehört die Immobilie. Wie berichtet, waren Rinne wiederholt Interessenkonflikte vorgeworfen worden, als er sich im Gemeinderat vehement gegen die Edeka-Ansiedlung stark gemacht hatte. "Für ältere Menschen ist Schließung des Marktes wegen des Wegfalls der Einkaufsmöglichkeit schlicht eine Katastrophe," erklärte der Bürgermeister gestern auf Anfrage. Nicht von ungefähr habe er auch deshalb immer vor dem Edeka-Neubau gewarnt. Entscheidender für seinen Widerstand seien aber die Signale aus dem Wirtschaftsministerium gewesen, das über die weitere Zuerkennung des Heilbad-Status für Bad Eilsen zu entscheiden habe. Wie berichtet, hatte man in Hannover die Edeka-Planungen durchaus kritisch gesehen. Zur Zukunft der Markant-Immobilie mochte sich Rinne dagegen nicht äußern. Dasübernahm dann aber etwas später doch noch seine Ehefrau Hella Rinne. Sie verwies gegenüber unserer Zeitung darauf, dass sie sich immer um die Vermietung gekümmert habe, damit ihr Mann nicht in Interessenkonflikte mit seinem Amt als Bürgermeister und Gemeindedirektor gerate. Denn aus Sicht eines Vermieters sehe die Sache etwas anders aus: Der Markant-Markt habe schon seit einem Jahr keine Miete mehr überwiesen, ausstehende Nebenkosten seien erst im November beglichen worden. Ihre Familie habe schon recht lange Aufschub gewährt, auch um die Einkaufssituation speziell für ältere Menschen nicht zu erschweren. Doch rein wirtschaftlich komme ihr die Schließung des Marktes jetzt entgegen. Dann könne sie sich gezielt um Nachmieter kümmern, Anfragen gebe es immer mal wieder. "So gesehen habe ich mich ganz persönlich über die Entscheidung für den Edeka-Neubau sogar gefreut," erklärt Frau Rinne.

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