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Ungemütlich und feucht / Januar bringt neue Rekorde

Kein echter Winter in Sicht

Landkreis. An der Nordostflanke eines Hochdruckgebietesüber Westeuropa und einem Tief über Skandinavien fließ ab dem Wochenende kühlere Meeresluft ein. Bei einem oft kräftigen Wind aus westlichen Richtungen ist der Himmel meistens bedeckt, und hin und wieder gibt es etwas Regen. Die Tagestemperaturen erreichen bis Mitte der kommenden Woche vier bis sechs Grad, in den Nächten besteht Frostgefahr. Ob das Norddeutsche Schmuddelwetter auch danach weiter anhält, ist noch unsicher. Ein neuerlicher Wintereinbruch ist jedenfalls nicht in Sicht.

Der Schirm wird vorerst ständiger Begleiter bleiben. Foto: tol

Autor:

Reinhard Zakrzewski

Das Januar zog alle Register: Rekordniederschläge und -wärme, Gewitter und Stürme. Und selbst der schon verloren geglaubte Winter schaute am Ende noch vorbei. Mit einer Durchschnittstemperatur von sechs Grad (4,6 Grad über normal), war der Januar 2007 im Schaumburger Land - nach 1975 - der zweit- wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dazu ging die Nacht vom 9. auf den 10. des Monats mit einem Minimum von 12,4 Grad sogar als die mildeste jemals beobachtete Januarnacht in die Statistiken ein. Mehr noch: Am 18. Januar brachte Orkantief "Kyrill" Bückeburg 26 Liter Regen in 24 Stunden, womit der alte Rekord vom Januar 1994 (24 Liter) noch übertroffen wurde. Bei der monatlichen Niederschlagssumme hielt jedoch die alte Bestmarke (110 Liter). Aktuell fielen in Bückeburg 100 Liter/qm, was stattliche 219 Prozent des Normalwertes waren. Fünf Frosttage, davon drei mit Dauerfrost (Eistage), entsprachen etwa einem Drittel des Üblichen. Die tiefste Temperatur wurde in Bückeburg am 24. Januar mit minus neun Grad gemessen, die höchste am 10. Januar mit 15,2 Grad. Die Sonne schien 26 Stunden lang und entsprach damit nur zu 64 Prozent den Erwartungen. Ein besonderes Ereignis: eine Gewitterfront mit Sommercharakter, die am späten Nachmittag des 18. Januars im Zusammenhang mit Orkantief "Kyrill" auch das Schaumburger Land überquerte. Voraussetzung für das örtlich halbstündige Wetterspektakel war tropische Warmluft, die an der Vorderseite von "Kyrill" einströmte. Dabei wurden in Norddeutschland Temperaturen bis zu 16 Grad gemessen (Bückeburg 13,4 Grad), was im Bereich der absoluten Januarmaxima lag. Am Nachmittag drang mit der Kaltfront des Tiefs feuchtkalte Nordseeluft ein, die die Atmosphäre im Kontaktbereich der sehr unterschiedlichen Luftmassen stark labilisierte. Wie im Sommer entwickelten sich mächtige Gewitterzellen mit Starkniederschlägen und heftigen Auf- und Abwinden, mit denen die 200 km/h schnellen Höhenwinde bis zum Boden durchgreifen konnten. Zudem kam es am Nordrand der Mittelgebirge zu einer zusätzlichen Durchmischung der Luftschichten durch Lee-Effekte. Entsprechend erreichten dieOrkanböen beim Durchzug der Gewitter bis über 130 km/h (Bückeburg 133 km/h), womit die Region an diesem Tag mit die höchsten Windgeschwindigkeiten in ganz Europa aufwies.

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