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Frank Waterstraat gibt hilfreiche Tipps / Viele Konflikte sind Rituale

Kampf- und Fluchtreflex löst Stress aus

Rolfshagen (la). "Stress ist ein gesellschaftliches Pro blem, das bereits aus der Zeit der Neandertaler stammt", stellte der Diplom-Theologe Frank Waterstraat während eines Vortrags im Feuerwehrgerätehaus in Rolfshagen fest. Ortsbrandmeister Rüdiger Teich hatte zu einer Dienstveranstaltung mit Partnern eingeladen und Waterstraat gebeten, sich des Themas "Stress" anzunehmen und den Anwesenden Tipps im Umgang mit dem täglichen Druck zu geben. Dabei lag das Ohr nicht bei den Einsätzen der Feuerwehr, sondern im privaten Bereich.

Der Diplom-Theologe Frank Waterstraat gibt im Feuerwehrhaus in R

Der Kampf- und Flucht-Reflex, einhergehend mit schwitzen und zittern, gehe auf die Urzeit zurück und bedeute noch heute Stress für den Menschen, erläuterte Waterstraat. "Was hätte ein Neandertaler für eine Überlebenschance gehabt, wenn er einem wilden Tier gegenübergestanden und nicht über diesen Reflex verfügt hätte?" fragte Waterstraat. Früher hätte man eben kämpfen oder flüchten müssen. Auch heute kämen die Menschen oftmals in Situationen, die diesen Reflex auslösen - Stresssituationen. "Wir bekommen dann einen Adrenalinstoß, der unbedingt ausgelebt oder abgebaut werden muss." Sonst würde die Anspannung viel Kraft kosten und der Gesundheit schaden. Schlafstörungen, Magenschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und psychosomatische Beschwerden nannte Waterstraat als Folgen. Die Reaktionsstruktur sei einfach: "Wir erkennen eine Gefahr und reagieren." Dabei müsse man heute nicht mehr kämpfen wie die Neandertaler. "Besser eine Hand voll Ruhe, als beide Fäuste voller Mühe und Jagen nach Wind", lautete der Leitspruch, den Waterstraat den Mitgliedern der Ortsfeuerwehr Rolfshagen immer wieder nannte. "Der Leistungsdruck fängt heute bereits sehr früh an. Schon Kindergartenkinder wollen zum Beispiel Markenklamotten", so Waterstraat. Man müsse sich aber von dem Druck befreien und nur das leisten, was jeder Einzelne kann und will. Viele Konflikte seien Rituale. "Wir rutschen da einfach in eine Dynamik, die wir stoppen müssen. Aus manchen Situationen müssen wir einfach aussteigen." Waterstraat nannte ein einfaches Beispiel. Jeder sei schon einmal hinter einem "lahmen" Autofahrer hergeschlichen. Man ärgert sich, die Wut steigt mehr und mehr und irgendwann überholt man an einer Stelle, die eigentlich viel zu gefährlich für einen Überholvorgang ist. "Besser ist es, für einige Minuten anzuhalten", mahnte Waterstraat. "Wir ersparen uns Stress und setzen uns keiner Gefahr aus." In anderen Situationen sei es hilfreich, das Erlebte aufzuschreiben, um sich so zum "Zu-Ende-denken" zu zwingen. "Wir müssen in den Spiegel blicken und Farbe bekennen. Das kann oftmals auch unangenehm werden", so Waterstraat. Besonders wichtig sei es festzustellen, wo "Ich" selber bleibe - im Beruf, in der Familie, im täglichen Leben. "Nehmen Sie sich Zeit für sich!" mahnte Waterstraat, der viel Beifall für seine Ausführungen erntete und manchen Zuhörer sehr nachdenklich machte.

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