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Rheumatag am Bad Eilser Rehazentrum wird trotzÄrztestreik ein Erfolg

Kältekammer und "Biologics" gegen ein weit verbreitetes Volksleiden

Bad Eilsen (sig). "Rheuma ist kein unabänderliches Schicksal, sondern eine auf vielen Ebenen beeinflussbare Krankheit geworden." Diese Aussage steht in einer Broschüre, die sich mit modernen Rheumatherapien befasst. Die medizinische Forschung im Verbund mit der Produktion von gezielt einzusetzenden Arzneimitteln hat den verschiedenen Erkrankungen, die zum so genannten rheumatischen Formenkreis gehören, einiges von ihrem Schrecken genommen. Das machte auch der "Rheumatag" deutlich, den das Rehazentrum am Sonnabend ausgerichtet hat.

Chefärztin Dr. Inge Ehlebracht-König (rechts) informiert eine Be

Die Fachveranstaltung am Vormittag diente der Information und dem Erfahrungsaustausch von Rheumatologen. Leider gab es nicht die erhoffte starke Beteiligung, weil vieleÄrzte zurzeit wegen des Streiks nicht nur ihren Dienst eingestellt haben, sondern in dieser Phase auch an keiner Fortbildung teilnehmen. Bei den Fachvorträgen ging es unter anderem um neue diagnostische Verfahren und Therapien für die so genannte rheumatoide Arthritis. Dahinter verbirgt sich dieam häufigsten vorkommende entzündliche Gelenkerkrankung, die vornehmlich im mittleren Lebensalter beginnt und mehr Frauen als Männer befällt. Die Tagungsteilnehmer befassten sich auch mit Morbus Bechterew, jener Erkrankung, die vor allem schmerzhafte Entzündungen der Wirbelgelenke und eine Versteifung des Brustkorbes zur Folge hat. Die Chefärztin der Internistisch-Rheumatologischen Klinik in Bad Eilsen, Dr. Inge Ehlebracht-König, referierte über das veränderte Bewegungsverhalten der Patienten im Zuge von Rehamaßnahmen. Vor der abschließenden Diskussion standen auch noch aktuelle Rechtsfragen aus dem Praxisalltag auf der Tagesordnung. Wie groß das Interesse betroffener Menschen an solchen Informationsveranstaltungen ist, zeigte sich beim zweiten Teil des Rheumatages. Rund 120 Patienten, Angehörige und wissenshungrige Laien nahmen daran teil. Sie kamen aus dem Schaumburger Land und aus dem angrenzenden Ostwestfalen. Natürlich legten sie besonderen Wert darauf, im Rahmen einer Führung durch das Rehazentrum mit allen möglichen Therapieformen und sogar mit Anregungen zur speziellen Ernährung vertraut gemacht zu werden. Dr. Inge Ehlebracht-König wies im Gespräch mit unserer Zeitung anschließend darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren nicht nur bei den Behandlungsmöglichkeiten große Fortschritte gegeben habe (dazu gehört unter anderem die Kältekammer), sondern auch bei dem Angebot an Medikamenten. Als vielversprechend erweist sich der Einsatz von Biologics. Dahinter verbergen sich gentechnisch hergestellte Eiweiße, die als Antikörper gegen die schlimmen Entzündungen wirken. Sie blockieren die entzündungsfördernden Botenstoffe und erhöhen so die Chance, dass die Gelenke mobil bleiben. Es zeichne sich ab, dass für die schwer erkrankten Patienten durch solche mit hohem Aufwand hergestellten Mittel gute Chancen zur Linderung des Rheumaleidens bestünden. Wie schwierig die präzise Diagnose aber nach wie vor sei, beweise die Tatsache, dass es mehr als 450 verschiedene Krankheitsbilder gibt. Und alle medizinischen Fortschritte könnten leider nicht verhindern, dass es alljährlich in Deutschland etwa 900 Neuerkrankungen gebe. Davon sind auch Kinder betroffen.

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