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Jugendliche kämpfen gegen Kinderarmut

Landkreis (nah). Die Mitarbeiter des Diakonischen Werks im evangelischen Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg schlagen Alarm. Immer mehr erleben sie in ihren Sprechstunden das Ausmaß von Kinderarmut. Ihrer Negativbilanz folgte der Zwischenbericht aus einer Hessisch Oldendorfer Initiative: Dort sind Jugendliche mit dem Motto "Augen auf" angetreten, um das Bewusstsein für benachteiligte Kinder zu schärfen. Die Mitglieder des Kirchenkreistags begrüßten unlängst in Apelern das Engagement.

Silke Schmidt, die in Hessisch Oldendorf und Bad Nenndorf regelmäßig Schuldnerberatung anbietet, fand drastische Worte: "211 Euro als Satz von Hartz IV für heranwachsende große Kinder sind ein Hohn." Das Geld reiche "hinten und vorne" nicht. Heftige Vorwürfe galten der Wirtschaft: "Ihr perfektes System gaukelt vor: Du kannst dir alles leisten." Die Folge spüre sie in ihren Sprechstunden. Allein in 2007 habe sie 130 Verfahren abgewickelt, weil Versandhausraten oder Handyverträge nicht mehr bezahlt werden konnten. Neuerdings steige die Zahl von Hausbesitzern, die ihren Abtrag nicht mehr zu leisten in der Lage sind. Dann könne sie Einblick in "dubiose Kreditverträge überregionaler Banken" nehmen, deren Bedingungen "haarsträubend" seien: "Das ist dann selbstgemachte Kinderarmut." Martin Barwich von der Rintelner Sozialberatung nannte Beispiele, wie Betroffenen geholfen wird. Zusammen mit der Rintelner "Silvesterinitiative" werde gegenwärtig ein "Weihnachtswunschbaum" entwickelt. Dabei werden anonymisierte Kinderwünsche bis zu 40 Euro an einem Christbaum angebracht. Sponsoren können diese Wunschzettel an sich nehmen und diese Bitten erfüllen ( wir berichteten). Die Hessisch Oldendorfer Jugendinitiative "Augen auf" hat im Kampf gegen Kinderarmut in Podiumsdiskussionen und mit intensiverÖffentlichkeitsarbeit auf das Pro blem aufmerksam gemacht und sucht nun Firmen und Behörden, um konkrete Hilfe leisten zu können.

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