weather-image
26°
Rat berät Aktualisierung der Jugendförderrichtlinien/Jugendpfleger: engagierte Jugendliche vorhanden

Jugend braucht Stimme, keinen Phantomverein

Bad Münder (st). Heute Abend im Rat der Stadt (siehe unten) kommt die Aktualisierung der Jugendförderrichtlinien auf den Tisch. So weit, so unspektakulär – wäre es nicht während der jüngsten Sozialausschusssitzung zu Irritationen bei diesem Thema gekommen, die nicht nur die Ausschussmitglieder ratlos zurückließen.


Warum? Es sind Indizien aufgetaucht für die Existenz eines Vereins, den alle bereits seit einem Jahrzehnt für ausgestorben hielten. Alle, bis auf einen: Stadtjugendpfleger Frank Henning. Er weiß, es gibt ihn noch, den Stadtjugendring.

Er habe Kontakt zum Vorstand des Phantom-Vereins, der seit Jahren nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten ist. Er kenne die im Verborgenen agierenden Personen, Namen wolle er allerdings nicht nennen. „Die wollen erst wieder an die Öffentlichkeit treten, wenn sie ein paar neue Mitglieder gefunden haben, die sich auch in der Vereinsführung engagieren würden.“ Auf die Tagesordnung gerutscht war der Stadtjugendring aus zwei Gründen: Er ist erstens aufgrund jahrelanger Untätigkeit aus den Jugendförderrichtlinien gestrichen worden, soll zweitens aber wieder ins Leben gerufen werden – sagt das Zukunftsentwicklungsprogramm (ZEP).

SPD-Fraktionschef Rolf Wittich hält das für einen Widerspruch. „Wir wollen doch laut ZEP den Stadtjugendring wieder ins Leben rufen, warum ihn dann erst aus den Förderrichtlininen streichen?“, fragt er. Auch Sozialraum-AG-Chef Hermann Wessling setzt sich seit Jahren für eine stärkere Vertretung jugendlicher Interessen in der Kurstadt ein, hat die Idee eines Jugendparlamentes oder Jugendforums ins Gespräch gebracht. Den Stadtjugendring hält er für tot, allein schon, weil es seit Jahren keine offiziellen Sitzungen oder Wahlen mehr gegeben haben könne.

Da auch Henning nicht wirklich an die Handlungsfähigkeit des Untergrundvereins glaubt, hat er inzwischen eine Gruppe Jugendlicher zusammengetrommelt, die bereit sind, sich für die Interessen der jungen Münderaner einzusetzen, die Form der Organisation sei allerdings noch nicht geklärt.

„Ob das nun in Form eines Jugendparlamente oder in Form eines Jugendforums weitergeht, ist noch offen, aber die Jugendlichen wollen, und das ist die Hauptsache“, sagt der Stadtjugendpfleger. Viele Ratsherren würden es begrüßen, wenn in den Ausschüssen neben Vertretern der Senioren und der Lehrer auch Vertreter der Jugend ihre Ansichten zu entsprechenden Themen beisteuern könnten. Eine weitere Möglichkeit ist laut verschiedener Mitglieder des Sozialausschusses, die Schülersprecher der münderschen Schulen als Vertrer in den Ausschuss einzuladen.

Zurzeit werde viel über Kinder und Jugendliche geredet, aber nicht mit ihnen, findet Wessling. „Es gibt momentan kein Sprachrohr für Jugendliche in der Stadt.“ Das müsse sich dringend ändern, gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare