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„Der Skulptur auf der Spur“: Welche Verbindung Jörg Enderles „Milky Way“ zu Reitsport hat

Jörg Enderles Pferdestärke an der Weserpromenade

Von Julia Marre
Hameln. Es erinnert weder optisch an den Schokoriegel mit der Milchcremefüllung. Noch hat es mit der bekannten Süßigkeit überhaupt etwas zu tun. „Milky Way“, Jörg Enderles Skulptur am Stockhof, trägt ihren Namen aus einem ganz anderen Grund: weil einst ein Rennpferd so hieß. Verkörpern die ineinander übergehenden Steine also einen grasenden Hengst? Auch das nicht, klärt der Künstler auf.

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Von Julia Marre
Hameln. Es erinnert weder optisch an den Schokoriegel mit der Milchcremefüllung. Noch hat es mit der bekannten Süßigkeit überhaupt etwas zu tun. „Milky Way“, Jörg Enderles Skulptur am Stockhof, trägt ihren Namen aus einem ganz anderen Grund: weil einst ein Rennpferd so hieß. Verkörpern die ineinander übergehenden Steine also einen grasenden Hengst? Auch das nicht, klärt der Künstler auf.

„Für eine Reihe von Skulpturen habe ich damals, wegen ihrer inhärenten Dynamik, Namen von Rennpferden entlehnt“, sagt Jörg Enderle. Ihm habe weder ein konkretes Pferd inspirierend Pate gestanden noch sei die Skulptur eine direkte formale Umsetzung eines Pferdes. Auch sei er kein Pferdenarr. Nicht einmal für Pferdesport interessiert sich der 1956 in Frankfurt am Main geborene Künstler, der heute im belgischen Lüttich lebt und arbeitet. Der Titel stammt schlichtweg aus einer Liste in einer Sportzeitschrift. „Milky Way“ – die gedankliche Verbindung zum Universum habe ihm einfach gefallen, erklärt er heute.

Die steinerne Milchstraße, die 1989 auf dem Völksener Hermannshof entstanden ist, hat Enderle aus Obernkirchner Sandstein und aus Granit, der aus dem Fichtelgebirge stammt, gefertigt. Sie wiegt laut Berechnung der Volumina etwa 900 Kilogramm – aber das scheint auch schon die einzige Gemeinsamkeit zu sein, die die Skulptur mit Pferden hat. Sogar einen Auslandsaufenthalt hat „Milky Way“ bereits hinter sich. 1989 wurde die Skulptur mit weiteren Werken in Kisten verpackt und fuhr mit einem Kunsttransport-LKW nach London. In der Ausstellung „Berlin – London“ wurde sie an der Royal Academy School in der britischen Hauptstadt gezeigt. „Ich wurde von der Hochschule der Künste Berlin für die Londoner Ausstellung vorgeschlagen“, sagt Enderle. 1990 war „Milky Way“ dann Teil der Herbstausstellung auf dem Hermannshof, ehe sie im selben Jahr für den geplanten Hamelner Skulpturenpark an der Weserpromenade angekauft wurde. Ein Ankauf, bei dem der Sponsor Dr. Eike W. Kerstein die Stadt Hameln unterstützte. Im Frühjahr 1991 wurde „Milky Way“ am jetzigen Platz zwischen Stockhof und Promenade aufgestellt.

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Jörg Enderle, der von 1985 bis 1991 Steinbildhauerei an der Hochschule der Künste in Berlin studierte, hat weitere Werke ganz in der Nähe. „Rosa“ heißt seine Skulptur im Garten der Stadtbücherei in Burgwedel/Großburgwedel; „gangway“ die Gemeinschaftsarbeit von Doris Schälling und ihm. Sie ist auf dem „Kulturforum Kesselbrink“ in Bielefeld zu sehen (www.gangway-online.de). In China steht vor dem Pekinger Today Art Museum zudem das Werk „slow-motion-highway“. Derzeit arbeiten beide Künstler auf eine umfangreiche Museumsaustellung hin. Der Titel des Projekts lautet „Qu’est-ce que la carrière ?“, auf Deutsch: „Welche Karriere?“. Gezeigt werden soll sie 2012 im IKOB, dem Museum für zeitgenössische Kunst im belgischen Eupen.

Lesen Sie in unserem Online-Dossier auf www.dewezet.de alle bisher veröffentlichten Texte der Reihe „Der Skulptur auf der Spur“.

Den größten Andrang erfährt Jörg Enderles „Milky Way“, wenn sonntags Flohmarkt an der Promenade ist. Fotos: Wal

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