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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Fröhliches Miteinander der Nationen

Italienische Pizzeria kreiert neue Fahne

Rinteln. Fußball kennt keine Grenzen und trägt bei zur Verständigung über alle nationalen Unterschiede hinweg. Dieser generelle Eindruck von fröhlichen Szenen in den Stadien und auf den Fan-Meilen der Spielorte findet sich, so scheint's bis in die letzten Winkel der Republik. Für das "gemischt-nationaleTeam" in der Pizzeria Corallo in der Weserstraße 11 am Durchgang zum Blumenwall hat das entspannte Zusammenleben und miteinander Arbeiten nicht erst mit der WM 2006 begonnen.

Entspanntes Miteinander von drei Nationen unter der Doppelflagge

Autor:

Werner Hoppe

Für Corallo-Chef Enzo Ipolito spielen Nationalitäten eine untergeordnete Rolle. Man lebt halt dort, wo man wohnt und mit den Menschen, die man dort um sich hat. Für den gebürtigen Italiener aus Resuttano auf Sizilien ist das kein Problem. Deswegen ist es für ihn ebenso normal, zwei Mitarbeiter aus unterschiedlichen Nationen zu beschäftigen. Osman Kara ist der Eine und stammt aus der Türkei. Ferat Azemi ist der Andere und gebürtiger Albaner aus dem Kosovo. Alle drei haben auch in Bezug auf ihre Favoriten für die Endrunden der Fußballweltmeisterschaft ihren gemeinsamen Nenner gefunden, ganz wie im richtigen Leben. Wie das geht? Mit Toleranz, ein wenig Diplomatie und indem man Prioritäten setzt, verdeutlicht Enzo. "Ich bin für beide, wenn's Italien nicht schafft, Weltmeister zu werden, dann Deutschland", sagt er. Damit ist die Hauptrichtung klar, passend zur Philosophie in der Pizzeria Corallo. Man lebt in Deutschland und da ist es Ehrensache, dass die deutsche Mannschaft ganz oben steht auf der Liste oder auf jeden Fall an zweiter Stelle kommt. "Die Deutschen, die spielen sehr gut, das mussman zugeben", sagt Enzo Ipolito überzeugt. Insgesamt sieht er's aber gelassen "Fußball ist eigentlich nicht das Wichtigste für mich." Die WM laufe zwar ständig im Fernseher mit, sei aber kein Anlass für hitzige Diskussionen unter den Gästen. Für die scheine sich das Ganze ohnehin mehr zu Hause abzuspielen, das liest er daran ab, dass die Fans sich ihre Pizza und Pasta gerne vor den Fernseher bringen lassen. Für ihn selber sei dies die zweite Fußball-Weltmeisterschaft, die er aus nächster Nähe miterlebt, denkt Enzo nach. "Die andere war, als Italien 1990 Gastgeber gewesen ist und gegen Deutschland im Endspiel verloren hat. Da war ich gerade in Italien und habe meinen Armeedienst abgeleistet." Jetzt,wo er wieder nah dran ist, ist er auch 16 Jahre älter geworden und abgeklärter. Die Welt gehe bestimmt nicht unter, sollte Italien nicht ins Finale kommen, meint er. Und auch für den Fall hat er vorsorglich einen "Ersatzfavoriten" für das Endspiel auf der Liste. "Brasilien könnte die dritte Möglichkeit sein", tippt Enzo Ipolito und hat dafür die volle Zustimmung von Osman Kara. Obwohl Ferat Azemi wie die anderen bei der Arbeit die blau-weisse Italia-Mütze trägt, erlaubt er sich ein kleines Extra in Gestalt der Deutschland-Fahne auf dem roten T-Shirt. Dazu tippt er sich an die Mütze und verrät augenzwinkernd: "Das muss ich ja schon deshalb tragen, weil ich hier arbeite, das T-Shirt trage ich, weil ich für Deutschland bin." "Wenn die Arbeit es zulässt, kucken wir hier jedes Spiel, erklärt Osman Kara. Er ist der "Profi" im Trio und sieht das Ganze aus der Sicht des Praktikers. Seit er 10 Jahre alt war, hat er selber Fußball gespielt beim SC Rinteln. Seit einem halben Jahr kickt er beim SC Unteres Kalletal in der Bezirksklasse B im Nachbarbundesland in der Dreier-Abwehrkette auf der Position rechts aussen. Vor dem Spiel der italienischen gegen die ukrainische Elf im Viertelfinale setzt er auf eine Chance von 60:40 Prozent für die Italiener. Super wäre, wenn sowohl die Italiener als auch die Deutschen weiter kommen. "Denn dann können sie im Halbfinale gegeneinander spielen". Dass die türkische Nationalmannschaft schon in der Vorrunde habe ausscheiden müssen, sieht Osman Kara realistisch: "Unsere haben sich gegen die Schweden einfach zu schwer getan, vielleicht klappt's ja in vier Jahren besser." Abschließend zeigen die drei Weltbürger ihre selbst kreierte Flagge aus den italienischen und deutschen Farben. Beide sind zusammen getackert und demonstrieren innige Verbundenheit. Dass die deutsche Komponente deutlich kleiner als die italienische ausgefallen ist, liege einfach nur daran, dass sie nichts Größeres in Schwarz-Rot-Gold gefunden hätten, versichern sie mit einem freundlichen Lächeln.

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