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Drei Organisationen werden vom Migrationsrat ausgezeichnet

Integrationspreise gehen nach Bad Münder

Bad Münder. In vielen Bereichen hat Bad Münder in der Flüchtlingsarbeit eine Vorbildfunktion. Für preiswürdig wurde das Engagement nun auch vom Migrationsrat des Landkreises erachtet. Drei Integrationspreise sind nach Bad Münder gegangen.

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Autor:

Mira Colic

Bad Münder. In vielen Bereichen hat Bad Münder in der Flüchtlingsarbeit eine Vorbildfunktion. Vor Jahren wurde etwa der Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit gegründet, der erste Integrationslotsen-Kurs im Landkreis hat in der Kurstadt stattgefunden. Für preiswürdig wurde das Engagement nun auch vom Migrationsrat des Landkreises Hameln-Pyrmont erachtet. In der Kategorie Vereine und Verbände des erstmals vergebenen Integrationspreises sind alle drei Auszeichnungen nach Bad Münder gegangen.

Die Veranstaltung in der Hamelner Handelslehranstalt sei so spannend gewesen wie eine Oscar-Verleihung, sagt Hermann Wessling. Er hatte die Bewerbung für die Sozialraum AG und das Netzwerk Integration verfasst. Dabei hatte er die außergewöhnliche Arbeit der Integrationslotsen hervorgehoben sowie die regelmäßigen Netzwerktreffen und die Einrichtung des „Café International“. Dies hat die Jury scheinbar so beeindruckt, dass sie der Organisation den ersten Preis verliehen hat.

Entgegengenommen haben die Urkunde und das Preisgeld in Höhe von 700 Euro neben Wessling Sozialraum AG-Sprecher Christoph Schieb sowie die beiden Integrationslotsinnen Edeltraud Mittelstädt und Monika Bubat. „Wir waren vollkommen überrascht, dass wir gewonnen haben“, sagte Mittelstädt gestern. Sie freue sich sehr über die Auszeichnung, wolle sie jedoch nicht zu hoch hängen: „Wir machen so weiter wie bisher, mit oder ohne Preis.“

In der Laudatio wurde ein Satz aus Wesslings Bewerbungsschreiben zitiert: „Das Netzwerk entwickelt sich unaufhörlich weiter. Es ist eine Erfolgsgeschichte über bürgerschaftliches Engagement par excellence.“ Und dies habe sich in den vergangenen Wochen auch so bestätigt, freut sich Wessling: „Denn die Anregung aus dem Kreis der Integrationslotsen, die Mobilität der Migranten durch eine Fahrradwerkstatt zu verbessern, ist inzwischen in guter und enger Kooperation mit der Münderschen Tafel erfolgreich umgesetzt worden.“

Der mit 350 Euro dotierte zweite Preis ging an den „Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit“, unter dessen Dach das Sprachkursprojekt Bad Münder läuft. Mittlerweile werden täglich im Gemeindehaus der evangelischen Kirche Deutschkurse angeboten. Ins Leben gerufen wurde dieses Angebot bereits 2008 von der pensionierten Lehrerin Bärbel Molitor. Anfang des Jahres hat sie die Verantwortung an die gebürtige Syrerin Mariecan Mohamed Said übergeben, „die diese mit großem Einsatz weiterführt“, wie es in der Laudatio hieß. Zusammen haben die Frauen jetzt in Hameln die Urkunde entgegengenommen.

Molitor ist auch einen Tag nach der Verleihung noch völlig perplex: „Als mein Name fiel, bin ich im ersten Moment völlig versteinert sitzen geblieben.“ In ihrer Dankesrede erklärte die 73-Jährige auf der Bühne, sie freue sich, dass mit Mariecan eine ihrer ehemaligen Sprachschülerinnen nun selbst unterrichte. Für die Jury ist dieses Projekt ein „wesentlicher Baustein für eine gelebte Willkommenskultur“ und damit ein würdiger Preisträger.

Einer der beiden dritten Preise ist an Martin Rietsch und seine Aktion „Liebe deinen Nächsten“ gegangen. Der Münderaner erhielt die Auszeichnung für sein bundesweites Engagement für Prävention und gegen Rassismus. Seit mehr als 15 Jahren ist Rietsch in Schulen in ganz Deutschland unterwegs. Er unterstützt mit seinem Projekt „Against racissm – for a better tomorrow“ auch den Antrag der KGS Bad Münder als „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“. 250 Euro gingen an den Verein.

Pastor Dietmar Adler, der den Arbeitskreis ins Rennen geschickt hatte, sieht Bad Münder als Gewinner: „Denn über dieses Netzwerk in Bad Münder und all die engagierten Menschen können wir froh sein.“

Ekaterina Heindorf, Vorsitzende des Migrationsrates aus Bad Münder, ist begeistert von der Vielzahl an Einsendungen zugunsten des Integrationsgedankens auf Landkreis-Ebene. Insgesamt gab es drei Kategorien: „Schulklassen“, „Kinder- und Jugendgruppen“ sowie „Vereine, Verbände, Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Glaubensgemeinschaften und soziale Einrichtungen“. „Die Idee dahinter war, bereits aktive Menschen in ihrer Arbeit zu bestärken und weitere dazu zu motivieren, selbst aktiv zu werden.“ Zehn Preisträger wurden ausgezeichnet. Und auch Heindorf bestätigt, dass es für die Jury sehr schwierig gewesen sei, aus den vielen Bewerbungen die Preisträger auszuwählen. „Wir hoffen, dass wir auch in Zukunft Sponsoren finden werden, sodass der Integrationspreis zu einer festen Institution im Landkreis wird.“ Nach den Vorstellungen des Migrationsrates soll der Preis die Bedeutung der interkulturellen Öffnung der Gesellschaft im Landkreis unterstreichen und dabei Menschen sensibilisieren und aktivieren.

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