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Industriestandort mit großer Branchenvielfalt

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Besucher und Einwohner Springes erfreuen sich vor allem an den zahlreichen attraktiven Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten. Gleichzeitig ist die Stadt aber auch ein prosperierendes Wirtschaftszentrum mit einer langen Industriegeschichte.

Die Wasserkraft der Haller und eine günstige Verkehrsanbindung waren wesentliche Faktoren für die Ansiedlung einer „Wollgarn-Spinnerey und Weberey“, die Springe vor fast 170 Jahren zu einem Industriestandort machte. Der 1844 an der Hamelner Straße eröffnete Betrieb entwickelte sich zur Teppichfabrik, ähnlich wie sein wenig später am Harmsmühlenweg gegründeter Ableger. Nach Etablierung einer Wattefabrik und einer Wollgarnspinnerei im Stadtkern beschäftigten Springes Textilbetriebe zeitweise über 300 Personen.

Die Bahnanbindung Springes 1872 leitete die nächste Industrialisierungsphase ein, wenngleich sich anfangs außer einem Sägewerk nur eine Steinhauerei ansiedelte, in der Sandstein vom Nesselberg bearbeitet wurde. Während die Textilunternehmen nach und nach eingingen, ebenso Ziegelei und Steinhauerei, entstanden vor dem Ersten Weltkrieg in der Nähe der Bahnstation die Stuhlfabriken Banneitz, Lange/Lange & Bußmann und Bähre. Die Möbelfabrik Schaper & Hunke zog in die Gebäude der ältesten Teppichfabrik ein. Die verbliebenen Räumlichkeiten am Harmsmühlenweg nutzten mehrere Metall verarbeitende Unternehmen, bevor sich der Holzwarenhersteller Bönecker schließlich hier niederließ. Mit dem über Gleisanschluss verfügenden Kalkwerk, das seinen Rohstoff über eine Seilbahn vom Ebersberg-Steinbruch bezog, erhielt die Stadt 1907 ein zweites industrielles Standbein neben der Holz verarbeitenden Branche.

Zum dominierenden Arbeitgeber in Springe stieg nach Übernahme seiner beiden Wettbewerber in der NS-Zeit das Bähre-Werk auf, das während des Krieges Zwangsarbeiter einsetzte. Mit modernen Produktionsanlagen ausgestattet, profitierte es vom Einrichtungsboom in der Nachkriegszeit. Aus der Rüstungssparte ging das Bähre-Metallwerk hervor, das dann als Bison-Werke firmierend, Spanplatten sowie deren Produktionsanlagen herstellte.

Bald nach Stilllegung des Kalkwerks (1958) kam mit der AEG-Lichttechnik (später Philips und seit einem Jahr Nordeon) ein weiterer größerer Industriebetrieb nach Springe.

Bereits vor Jahrzehnten konnten sich ebenso wie die Molkerei auch der von Hannover verlagerte Bohnerwachshersteller Müller & Sohn nicht mehr am Markt behaupten. Mit den Konkursen von Bähre sowie Schaper & Hunke endete auch die Möbelherstellung in der Deisterstadt. Die in den 1990er Jahren in Schwierigkeiten geratenen Bison-Werke werden durch die Nachfolgefirma Binos fortgeführt. Andere in neuerer Zeit hinzugekommene Betriebe wie Sapemus-Chemie, Wieland-Antriebstechnik oder Octapharma tragen bis heute dazu bei, dass der Industriestandort Springe durch eine große Branchenvielfalt gekennzeichnet ist.

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