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Kolping-Familie will mehrüber die Fahrt der "Auswanderer" wissen

In tiefschwarzer Nacht versinken die Sternschnuppen im Meer ...

Obernkirchen (sig). "Es ist schon einüberwältigender Eindruck, in tiefschwarzer Nacht auf dem Schiffsdeck in den Himmel zu schauen und zu beobachten, wie Sternschnuppen auftauchen und irgendwo im Meer zu versinken scheinen", erinnerte sich Manuela Schneider bei ihrem Vortrag im katholischen Pfarrheim.

Die Besucher der Kolping-Veranstaltung versorgt Manuela Schneide

Die Mitglieder der Obernkirchener Kolpingfamilie zeigten sich dankbar dafür, dass sie ihnen einen eindrucksvollen Einblick in ihre Erlebnisse während der Zeitreise mit dem Auswandererschiff "Bremen" vermittelte. Gleich zu Beginn machte die Krainhägerin deutlich, dass sie diese lange Überfahrt nach New York keineswegs missen möchte, auch wenn sie und ihre Familie zu den Bedingungen des Jahres 1850 und alles andere als auf einem Luxusliner unterwegs waren. Selbst wenn die meisten ihrer Zuhörer die spannenden Folgen der WDR-Dokumentation "Windstärke 8" verfolgt hatten, gab es immer wieder Fragen zu dem Geschehen auf und unter Deck. Eine nahe liegende Frage lautete: "Es war ja häufig sehr stürmisch auf dem Ozean; wurden Sie dabei nicht seekrank?" Manuela Schneider verhehlte nicht, dass bei diesen Bedingungen kaum einer ungeschoren davonkommt, dem die Schiffsplanken nicht gerade zur zweiten Heimat geworden sind. Ihr Schwiegersohn, ein Rettungssanitäter, habe besonders schlimm darunter gelitten. "Mussten Sie nicht mit der Gefahr leben, ohne frisches Obst und Gemüse an Skorbut zu erkranken?" wollte eine Zuhörerin wissen. Diese Sorge konnte die Arztfrau zerstreuen. "Wir hatten viel Sauerkraut an Bord, außerdem Weißkohl, Äpfel und Zitronen, so dass kein Mangel an Vitamin C auftrat", beruhigte sie die Fragestellerin. Natürlich gab es keine Menüauswahl an Bord wie heute auf den modernen Passagierdampfern, aber immerhin gelang es Manuela Schneider, mit der Herstellung von Apfelwein das Getränkeangebot zu bereichern. Dazu wurde sogar Zwiebelkuchen gereicht. Arbeit gab es genug auf dem Schiff, vom Mahlen des Getreides,über die Vorbereitung der Mahlzeiten, das Nähen und Setzen von Segeln, das Waschen der Wäsche, die Körperpflege und die anderen notwendigen Reinigungen an und unter Deck. Ein gelegentliches Bad im Meer gehörte zu den Höhepunkten der Reise. Nicht nur bei Manuela Schneider hinterließ die Ruhe auf der grenzenlosen Weite des Ozeans einen tiefen Eindruck. "Die Geräusche der Welt waren weit weg, wir waren allein und konnten durch nichts abgelenkt werden", fasste sie diesen Eindruck zusammen. Aber diese Welt holte sie wieder ein, als sie Weihnachten das Ziel ihrer ungewöhnlichen Reise am Horizont auftauchen sahen. "Wir haben New York erst gerochen, bevor wir die Umrisse erkannten; das schien irgendwie Frittenduft zu sein, und danach kamen die Autoabgase", erinnerte sich die Krainhägerin. Als sie mit vollen Segeln in den Hafen der Weltstadt einfuhren, erlebten alle "Auswanderer" dennoch einen unvorstellbaren Augenblick. Er hat dazu beigetragen, dass die Familie des Arztes Dr. Jens Schneider schon in diesem Jahr wieder ein Segelabenteuer anpeilt, dieses Mal aber in südlichen Gefilden.

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