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Ortsrat Nettelrede stimmt Bau eines Schweinemaststalls zu / Verwaltung sieht Standort kritisch

„In einem Dorf entstehen nun mal Gerüche“

Bad Münder (jhr). Ein Votum unter Vorbehalt, und doch eine überaus deutliche Positionierung: Der Ortsrat Nettelrede hat keine Bedenken gegen den Bau eines Schweinemaststalls für 1200 Tiere in Verlängerung des Bergweges – wenn denn ein Geruchsgutachten die Unbedenklichkeit bescheinigt. Die Stadtverwaltung empfiehlt hingegen mit Hinblick auf die Klinik- und Bildungseinrichtungen am Deisterhang, dem Vorhaben die Zustimmung zu verweigern.


Das bisher eingereichte Gutachten zu Geruchsimmissionen ist nach Auffassung der Stadtverwaltung nicht ausreichend, weil der bereits im Ort vorhandene Nutztierbestand nicht in der Begutachtung berücksichtigt wurde. Zwar soll, so Planungsamtschef Karl-Heinz Knigge, die Gutachterin im Gespräch erklärt haben, dass die Berücksichtigung des vorhandene Nutztierbestandes im Ort keinen Einfluss auf das Ergebnis haben wird, da sich der Immissionswert für das Dorfgebiet aber an der oberen Grenze des zulässigen Wertes befindet, rät die Stadt zur Vervollständigung des Gutachtens. Eine Position, die während der Sitzung zwar in der Abstimmung Berücksichtigung fand, von den anwesenden Landwirten aber als „Verhinderungstaktik“ durch den Planungsamtsleiter bewertet wurde.

Insbesondere Landwirt Alfred Wente, der den Maststall errichten will, kritisierte scharf den Vorstoß der Stadt. Der für das Genehmigungsverfahren zuständige Mitarbeiter des Landkreises habe bereits „grünes Licht“ signalisiert. „Es ist für mich vollkommen unverständlich, dass nun die Stadt kommt und aufgrund von drei Schafen und vier Ziegen im Ort das gesamte Gutachten anzweifelt.“ Mit Bedacht habe er eine renommierte Firma mit der Erstellung des Gutachtens ausgewählt. „Das sind Experten auf dem Gebiet, die machen so etwas jeden Tag.“

Ziel seines Vorhabens sei es, die Existenz seines Betriebes zu sichern und seinem Sohn einen zukunftsfähigen Hof übergeben zu können. Er sei bislang allen Auflagen des Landkreises nachgekommen. „Uns Landwirten werden ständig Steine in den Weg gelegt“, schloss sich Landwirt Friedrich Mittendorf der pauschalen Kritik an. Er machte darauf aufmerksam, dass Nettelrede ein Dorf sei, „und in einem Dorf entstehen nun mal Gerüche.“ Allgemeines Nicken unter den rund 20 Zuhörern der Ortsratssitzung – selbst der Planungsamtschef stimmte zu. Aber: „Sie brauchen aber doch eine rechtssichere Baugenehmigung“, erklärte er in Richtung Wente.

Nur ein Nebenthema der Ortsratsitzung waren die Auswirkungen des Maststalls auf Kliniken und Schulungseinrichtungen am Deisterhang, Luftlinie rund 500 Meter entfernt. „Der Belang Erhaltung, Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist für die Stadt aufgrund ihrer Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur von besonderem Gewicht, so dass dieser Belang dem Vorhaben entgegensteht und das Einvernehmen aus diesem Grund versagt wird“, formuliert die Stadtverwaltung in einer Vorlage – wie sich die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses zu diesem Thema positionieren, wird heute Abend in der Sitzung des Gremiums deutlich werden. Beginn ist um 18 Uhr im Steinhof.

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