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Bahnmeister von Bad Münder: Franz Joseph Wiegmann trifft Wilhelm II. am Bahnhof des Springer Jagdschlosses

In der schicken Uniform den Kaiser zur Jagd begrüßt

Bad Münder (st). Wenn Kaiser Wilhelm II. zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zur Hofjagd das Springer Jagdschloss besuchte, stand Franz Joseph Wiegmann in seiner blau-glänzenden Uniform stramm am Bahnhof und salutierte mit Mütze auf dem Kopf und schmuckem Degen in der Scheide. Der Münderaner war Bahnmeister und als solcher zuständig für den Unterhalt der Schienen eines großen Gebietes rund um die Kurstadt bis nach Springe.

Hans-Rainer Stawski zeigt ein Familienbild seines Großvaters, während Tochter Miriam die Uniform vorführt.  Foto: st

Wiegmanns Enkelsohn Hans-Rainer Stawski aus der Kernstadt hat jetzt die noch sehr gut erhaltene Uniform Hobby-Historiker Klaus Vohn-Fortagne übergeben, der das Stück für das Museum Bad Münder entgegengenommen hat. Der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll das Teil laut Vohn-Fortagne bei der Schau der Neuzugänge Anfang des Jahres in der Sparkassenfiliale.

1931 sei sein Großvater gestorben, weiß Stawski zu berichten – lange vor der Geburt seines Enkels also. So kenne er seinen Großvater lediglich aus Erzählungen. Seine Großmutter beispielsweise habe ihm erzählt: „Als Eisenbahnleutnant musste er als einer der Honoratioren am Bahnsteig stehen, wenn der Kaiser zur Jagd einfuhr.“ Dabei sei Wiegmann von Beruf Baumeister gewesen, nach erfolgreich abgeschlossenem Studium in Holzminden.

Mehrere große Bahnhofsprojekte hat er laut Stawski betreut, bevor seine Gesundheit ihn Zwang, kürzer zu treten. „Er hatte es mit der Lunge, er war starker Raucher. Es sollte sich herausstellen, dass er wohl Krebs hatte“, sagt Wiegmanns Enkelsohn. Und so habe sich Wiegmann entschieden, den Bahnmeister-Posten in der beschaulichen Stadt Bad Münder zu übernehmen. „Er war eigentlich für eine größere Aufgabe vorgesehen“, sagt Stawski. „Er war sogar für Hannover im Gespräch.“ Aber sein Großvater selbst habe abgelehnt. Und so traf Wiegmann den Kaiser am Bahnsteig im Bereich des heutigen Springes – herausgesputzt in seiner Uniform mit steifem schwarzen Kragen, goldenen Knöpfen und leuchtenden Schulterklappen.

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