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Zukunft der Datenverarbeitung liegt im Internet – schnellere Verbindungen sind in Arbeit

In der digitalen Welt ist Langeweile Geschichte

Langweile kann in der vernetzten Welt von heute kaum noch aufkommen. Das Warten auf den Bus kann mit dem iPod überbrückt werden. Wer keine passenden Titel findet, nutzt eine mobile Datenverbindung, um über sein Smartphone Internetradio zu hören. Dabei ist es egal, ob der Radiosender von den USA oder aus Asien sendet. Über das Netz ist alles erreichbar.

Die neueste Entwicklung in der Computerwelt ist das Cloud-Computing – Daten werden zunehmend ins Netz verlagert. Foto: CeB

Autor:

Jobst Christian Höche

Langweile kann in der vernetzten Welt von heute kaum noch aufkommen. Das Warten auf den Bus kann mit dem iPod überbrückt werden. Wer keine passenden Titel findet, nutzt eine mobile Datenverbindung, um über sein Smartphone Internetradio zu hören. Dabei ist es egal, ob der Radiosender von den USA oder aus Asien sendet. Über das Netz ist alles erreichbar. Wer im Café auf einen Geschäftspartner, einen Bekannten oder sein Date wartet, muss heute nicht mehr nervös mit den Fingern auf dem Tisch trommeln. Über iPad, Smartphone oder Laptop können die E-Mails gecheckt werden, Nachrichten bei Facebook oder Twitter geschrieben oder bei Youtube Filme angeschaut werden. Sollte sich der Termin dann nach hinten verschieben, ist praktisch jeder mobil zu erreichen, um über eine Verspätung informiert zu werden. Terminliche Verbindlichkeiten werden immer weniger bedeutend. „Smartphones haben den wirklichen Durchbruch des Web 2.0 gebracht“, sagt Thomas Liebig, IT-Spezialist aus Hameln. Kostengünstige Smartphones und Daten-Flatrates für mobile Endgeräte hätten den Durchbruch gebracht.

Die Nutzer von sozialen Netzwerken teilen sich regelmäßig der Allgemeinheit beziehungsweise dem digitalen Netzwerk ihrer Freunde mit. Mal durch eine kurze Nachricht auf der eigenen Profilseite, aber auch datenintensiv durch ein Video, dass sie von einem Smartphone aus auf ihre Facebook-Seite laden. Diese Art der Kommunikation ist neu. Es lassen sich Informationen in Echtzeit von überall nach überall transportieren. Noch während Gespräche stattfinden, werden erste Informationen ins Internet geladen und sind auf der ganzen Welt abrufbar. Schon bevor Kanzlerin Angela Merkel den letzten Anruf ihres Verteidigungsministers erhält, weiß die Online-Community über den Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg über Internetkanäle Bescheid. Die Beschleunigung der Kommunikation durch E-Mails war bereits ein Meilenstein. Soziale Netzwerke und mobile Zugriffsmöglichkeiten auf das Internet machen den Informationsaustausch noch deutlich schneller. Das Schreiben von E-Mails geht bei Computernutzern im Alter bis 35 Jahren nach Ansicht des Digitalmarkt-Analysten Comscore stetig zurück. Die Kommunikation verschiebt sich in Richtung der sozialen Netzwerke.

Deutsche Frauen verbringen rund 25 Prozent ihrer Onlinezeit auf Netzwerkseiten wie Facebook oder StudiVZ. Damit liegen sie weit über dem internationalen Trend, der bei etwa 18 Prozent liegt. Die deutschen Männer verbringen mit etwa 17 Prozent auf Netzwerkseiten deutlich weniger Zeit als die Frauen. Obwohl die Kommunikation immer schneller wird, verringert sich die Verweildauer vor dem Computer nicht. Ganz im Gegenteil: mit steigender Zahl der Freunde im Netzwerk und einer Erweiterung des Angebotes bei Facebook wird die Zeit am Rechner länger. 2010 lag die Onlinezeit in der Altersgruppe von 12- bis 19-Jährigen bei über zwei Stunden täglich. Noch 2008 spielte Facebook in Deutschland kaum eine Rolle. Heute sind auch deutsche Netzwerke längst von der amerikanischen Riesenplattform überholt und zählen heute mehr als 16 Millionen deutsche Nutzer.

Nicht nur die Bedeutung der sozialen Netzwerke hat zugenommen. Auch die Verlagerungen von Diensten und Anwendungen vom heimischen Rechner ins Internet ist eine der neueren Strömungen des digitalen Zeitalters. Dieser Wandel zeichnet sich auch deutlich auf der CeBIT ab. Cloud-Computing hat die IT-Branche diese Neuerung getauft. Der abstrakte Begriff der Wolke steht sinnbildlich für die Möglichkeit, Dienste aus dem Internet zu beziehen, mit denen früher der heimische Rechner oder das System von Firmen belastet wurde. Die Wolke besteht aus Serverfarmen großer Unternehmen, die Speicherplatz und Rechenleistung an Kunden verkaufen. Nutzer dieser Angebote brauchen sich keine Gedanken mehr über die Anschaffung teurer eigener Server zu machen. Kosten für deren Wartung und Erneuerung entfallen.

„Anwendungen werden zunehmend über den Webbrowser laufen“, sagt Liebig. Die eigentliche Idee hinter der Cloud ist nicht neu. Wer einen kommerziellen E-Mail-Dienst nutzt, speichert Daten im Netz und damit in der Cloud. Gleiches gilt für das Speichern von Bildern in Online-Fotoalben. Die Verlagerung von Diensten, Rechenoperationen und die Speicherung von Daten ins Internet macht eine Entwicklung aber unabdingbar: die Erreichbarkeit des Internets von überall aus zu jeder Zeit. „Für die Nutzung von Cloud-Diensten und die Anbindung ans Internet braucht man keinen besonders leistungsfähigen Rechner. Nur die Verbindung zum Internet sollte schnell sein“, sagt Liebig. Immer größere Datenmengen müssen transportiert werden können, da mittlerweile auch viele Telefon- und TV-Daten über diese Transportwege geschickt werden.

Die vorhandenen mobilen Datennetze der dritten Generation stoßen da vor allem in Ballungszentren an ihre Kapazitätsgrenzen. In ländlichen Regionen arbeiten die Mobilfunkanbieter daran, die letzten „weißen Flecken“ ohne schnelles Internet von der Landkarte zu tilgen. Das geschieht in den unterversorgten Gebieten vermehrt durch den Ausbau des neuen Übertragungsstandards (Long Term Evolution) LTE.

Dieser Standard soll Daten in bis zu zehnfacher Geschwindigkeit im Vergleich zu heutigen UMTS-Geschwindigkeiten übertragen können. Auch die Kapazitäten dieses Standards liegen deutlich über denen der jetzigen Datenübertragungen. Somit wird Platz für höhere Datenmengen geschaffen. Für den Ausbau des LTE-Netzes in Deutschland wird die Telekom, die einen großen Teil des Ausbaus übernimmt, in den kommenden Jahren acht bis zehn Milliarden Euro investieren.

„Die Mobilfunkbetreiber setzen derzeit ein riesiges Investitionsprogramm für den Ausbau ihrer Netze um“, sagt Friedrich Joussen, Mitglied des Präsidiums der Bitkom. Nur so könnten die Anbieter das steigende Datenvolumen bewältigen und schnelle Downloads gewährleisten. Bis zum Jahresende 2010 wurden bereits 1500 Mobilfunkstandorte umgerüstet, die 200 000 Haushalte mit der neuen Technik versorgen können. Die Datenmengen, die über Mobilfunknetze transportiert werden, haben sich von 2009 auf 2010 verdoppelt und liegen nach Aussage einer von der Bitkom in Auftrag gegebenen Studie heute bei 70 Exabyte, das sind 70 Millionen Gigabyte.

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