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Salzburg ist Ausgangspunkt unseres Sonntagsausfluges / Blick über das Tal zum Thüster Berg

Im Westen des Osterwaldes steht der Fingerhut Spalier

Von Ingeborg Müller

Das Waldgasthaus Salzburg ist nicht zuletzt seiner Lage wegen be

Der kleine Ortsteil Salzburg, oberhalb von Coppenbrügge am Südwestrand des Osterwalds gelegen, trägt seinen Namen nicht von ungefähr. Denn es waren protestantische Emigranten aus dem Salzburgischen, vorwiegend aus Berchtesgaden, die hier 1733 von Kurfürst Georg II. von Hannover in sechs neu erbauten Häusern angesiedelt wurden. Sie gehörten zu den weit über 20 000 Lutheranern, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie sich weigerten, im Zuge der Gegenreformation in die katholische Kirche zurückzukehren. Der überwiegende Teil gelangte nach Ostpreußen, 783 von ihnen aber wurden im Kurfürstentum Hannover aufgenommen.

Auch nach Hameln kamen damals Glaubensflüchtlinge. Sie waren hier jedoch keineswegs so erwünscht wie ein halbes Jahrhundert zuvor die Hugenotten, die als Leineweber geschätzt wurden. Man solle Hameln, so hieß es in einem Schreiben an die Regierung in Hannover, von „Schnitzlern und Schachtelmachern“ verschonen. Erst als Arbeitskräfte zum Schleusenbau benötigt wurden, holte man salzburgische Familien an die Weser.

Während in Hameln nichts mehr an diese frühen Asylanten erinnert, erzählt an der Waldgaststätte Salzburg ein Schild von der Vertreibung. – Zu dieser beliebten Gaststätte kann man mühelos von Marienau aus mit dem Auto hinauf fahren, doch wir wollen den Ausflug dorthin mit einer Bergwanderung verbinden. Der idyllische Luftkurort Osterwald mit mehreren Wanderparkplätzen ist dafür der richtige Ausgangsort. Er ist von der Bundesstraße 1 von Oldendorf aus zu erreichen. Diesmal suchen wir uns jenen liebevoll gestalteten Parkplatz im Westen des Ortes vor dem Waldbad an der Drei-Linden-Straße aus, den man in doppelter Hinsicht als „Parkanlage“ bezeichnen kann.

Der Wanderparkplatz in Osterwald ist sorgfältig gestaltet und lä
  • Der Wanderparkplatz in Osterwald ist sorgfältig gestaltet und lädt zum Verweilen ein, bevor es losgeht.
An der Gaststätte erinnert eine Tafel an die Auswanderer.
  • An der Gaststätte erinnert eine Tafel an die Auswanderer.
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Die Drei-Linden-Straße biegt im Ort von der bergwärts führenden Hüttenstollenstraße nach links ab. Historisch interessierte Wanderer werden die formschönen Metallschilder studieren, die auf örtliche Besonderheiten erklärend hinweisen, beim Parkplatz zum Beispiel auf den ehemaligen Hohe-Warte-Stollen, die Abraumhalden dies- und jenseits der Straße und auf den Abtransport der Kohle bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. Vorbei am Dorfgemeinschaftshaus, der früheren Schule, kommen wir zur Kreuzung mit der Bushaltestelle der Linie 71 Salzhemmendorf – Ahrenfeld des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont, die auch am Bahnhof Osterwald hält. Dorthin können Bahnreisende mit der Weserbahn Hildesheim– Löhne gelangen. Von der Kreuzung aus könnten wir dem Wegweiser geradeaus direkt nach Salzburg folgen, wir wollen jedoch für den Hin- und Rückweg die Wanderwege unter- und oberhalb dieser Forststraße benutzen. Deshalb folgen wir dem Schild zum Grillplatz nach links und wandern an diesem vorbei zum kleinen Hemmendorfer Ortsteil Heide am Waldrand.

Hier sollten wir den Blick über das Auetal zum Thüster Berg mit dem Bogshorn und zum Ithkamm wahrnehmen, ehe wir bei der Schranke nach rechts in den nach Salzburg beschilderten Weg einbiegen. Kurvenreich passt er sich inmitten eines vielfältigen Laubwaldes dem Gelände an, im Sommer von Blumen gesäumt und immer wieder von kleinen Bächlein unterquert. Schließlich führt die Forststraße zu einem am Waldrand liegenden Grundstück. Wir gehen jetzt auf einem schmalen Wanderweg weiter, überqueren eine Fahrstraße und freuen uns, wenn wir nach einem Wäldchen die Häuser von Salzburg unmittelbar vor uns sehen. An der Straßenfront der Waldgaststätte können wir uns kurz über die Geschichte der Salzburger Flüchtlinge informieren und gegebenenfalls im Großen Garten den wunderschönen Blick und die willkommene Stärkung genießen. Denn dann geht es in der bisherigen Richtung weiter, zunächst oberhalb der Häuser noch eben, doch nach der Rechtskurve bergan in den Wald.

Bei der Kreuzung folgen wir dem Schild zum Dorf Dörpe nach links auf die Häuser von Ikenburg zu, biegen dort aber in den zum Fast ausgeschilderten Weg schräg zurück nach rechts ab. Nachdem der Weg zum Fast, der mit knapp 420 Meter höchsten Erhebung des Osterwaldmassivs, nach links abzweigte, ist unser weiter leicht ansteigender Wanderweg nach Osterwald beschildert. Neben dem wieder besonders abwechslungsreichen Wald faszinieren den Wanderer im Frühsommer Hunderte blühender Fingerhutpflanzen, die sich in jeder Schneise, auf Lichtungen und Windbruchstellen einen Platz an der Sonne gesucht haben.

Vor dem Werksgelände biegen wir dann nach rechts ab und wandern auf der jetzt asphaltierten Straße geruhsam bergab bis zur Drei-Linden-Straße und zurück zum Ausgangspunkt.

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