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Jahresschrift „Der Söltjer“ druckt erstmals Bilder aus der Riesenberghöhle ab / Heft 36 vorgestellt

Im Süntel lauert der „Haifischdrache“

Hamelspringe (hzs). Dass eine Heimatschrift nicht nur abwechslungsreich, sondern auch spannend sein kann, hat das Herausgeber-Team um Museumschef Michael Meier und „Söltjer“-Schriftleiter Hans-Georg Rabe einmal mehr bewiesen: Sie haben jetzt die 36. Ausgabe der Münderaner Traditionsschrift im Haus der Musikgruppe Hamelspringe am Kösterbrink vorgestellt.

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Mit heimatlichen Klängen der siebenköpfigen Mandolinengruppe der „Condoren“ garniert, präsentierte Rabe in Nachfolge von Diethard Salzmann die breit gestreute Themenpalette des neuen „Söltjers“. Die ist an Überraschungen reich, werden doch beispielsweise erstmals Farbbilder aus der 1996 „erstbefahrenen“, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen, tief unterm Süntel gelegenen „Riesenberghöhle“ abgedruckt. Bislang wurde Bildmaterial der zum nördlichsten Höhlensystem Deutschlands gehörenden, 1120 Meter langen Höhle nur in einer Schauhöhle der benachbarten Schillat-Höhle direkt vor Ort gezeigt.

Erschauern lassen den Leser eindrucksvolle Bilder aus der Süntel-Unterwelt wie die des „Haifischdrachens“ oder aus der „Kinnschrubbel“.

Aber auch andere Themen haben, so Rabe, „die Qualität eines Krimis“: Gerd Kastendiecks Bericht über einen Weidestreit zwischen Brullsen, Hachmühlen und Neustadt, das Aufbegehren des Dorfes Altenhagen II gegen Obrigkeit und König, dargestellt von Diethard Salzmann, oder Kai Witthinrichs den Akten entnommene Geschichte die „Inquisitin Sophie Bock betreffend…“, ein packender Kriminalfall aus dem Amt Lauenau vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Geologin Angelika Schwager stellt in einem Rückblick auf „die eisige Vergangenheit des Deister-Süntel-Tals“ fest, dass „die Weser einst durch Bad Münder“ floss, und Udo Mierau hat „nicht verwirklichte Straßenbaupläne“ aus der Nachkriegszeit ausgegraben.

Im Zentrum der Präsentation des neuen „Söltjers“ stand die von Kai Witthinrich und Ulrich Marx näher beleuchtete „Klosterkapelle in Hamelspringe“. Deren einst drei Altäre wurden am 10. Dezember 1318 durch Dietmar von Gabula – vielleicht dem Vorbild der Kölner Heiligen Ursula entsprechend – 11 000 Jungfrauen geweiht und stellten, so jedenfalls die Überlieferung, einen von Reliquien nur so überquellenden Ort dar.

Anhand von Lichtbildern stellte Ulrich Marx die Bausubstanz des Hamelspringer Kleinods vor. Auch hier gibt es ungelöste Fragen: Wozu diente und was befand sich im kleinen Raum im ersten Stock? Spannung pur, so Marx, der resümierte: „Man muss gar nicht nach Troja fahren, um spannende Archäologie zu erleben.“

Da genügt allein die Lektüre des neuen „Söltjers“. Dessen Auflage ist zwar um rund ein Drittel gesunken, seine sogar wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Qualität jedoch auf unverändert hohem Niveau geblieben.

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