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Imke Rüther und Jana Kaiser sind LiVDs in Wunstorf, Nienstädt und an vielen anderen Schulen: Ein Erfahrungsbericht

Im Seminar noch Azubis, vor der Klasse schon Lehrer

Nienstädt/Landkreis (gus). In Niedersachsen gilt seit 2010 eine neue Verordnung in der Lehrerausbildung für die Grundschul-, Hauptschul- und Realschullehrämter. Zwei angehende Lehrerinnen, die den praktischen Teil ihrer Ausbildung in Nienstädt absolvieren, haben den SN ihre Erfahrungen geschildert.

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Imke Rüther ist im zweiten Halbjahr ihrer Ausbildung, Jana Kaiser durchläuft derzeit ihr erstes Halbjahr. Insgesamt müssen beide eine 18-monatige Praxis-Zeit hinter sich bringen, bevor sie den umständlichen Titel „Lehrkraft im Vorbereitungsdienst“ gegen den Begriff Lehrer eintauschen können. Dabei werden beide LiVDs, so das geläufige Kürzel, bereits jetzt voll im Kollegium der Grundschule Nienstädt integriert.

Außer donnerstags sind Kaiser und Rüther täglich im Nienstädter Schulgebäude tätig, geben dort pro Woche jeweils zwölf Stunden Unterricht – Rüther in den Fächern Deutsch und Englisch, Kaiser in Deutsch und Sachkunde. Vor der 18-monatigen Praxisphase beendeten beide ihr Hochschulstudium.

In Nienstädt haben die jungen Frauen je zwei Mentorinnen an der Seite. Dies sind Jutta Hellmich-Milde, Christine Bödecker, Edda Taubitz und Dörte Pieper-Höhn. Diese begleiten die Lehreranwärterinnen in den Unterricht. Aber nicht immer. Kaiser und Rüther stehen ab und zu bereits ganz allein vor ihren Klassen.

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  • Jana Kaiser (von rechts) blättert mit ihren Mentorinnen, Edda Taubitz und Dörte Pieper-Höhn, in einem Bücherkatalog. Fotos: gus

„Vor der ersten Stunde war ich ziemlich nervös“, erinnert sich Rüther. Kaiser nickt, auch sie haben die „vielen neugierigen Kinder“ gewaltig beeindruckt, ist sie doch streng genommen selbst noch Auszubildende. Doch ihre Nervosität legten beide recht fix ab. Kein Wunder, sie fühlen sich in Nienstädt pudelwohl.

„Das ist hier ein sehr nettes Kollegium“, sagt Kaiser. Und die Kollegen seien nicht nur stets hilfsbereit, sondern auch außerordentlich engagiert und interessiert. Rüther hat den Eindruck, es ist den Nienstädter Lehrern wichtig, dass die jungen Frauen eine gute Ausbildung bekommen. Es werde richtig mitgefiebert, wenn es mal wieder einen Unterrichtsbesuch gibt.

Diese Besuche fallen unterschiedlich groß aus. Mal ist nur Rektor Helmut Quander der „Besucher“, an anderen Tagen kommen Mitarbeiter des Studienseminars Wunstorf hinzu, beim sogenannten „großen Besuch“ sind zusätzlich zu Quander gleich mehrere Vertreter des Seminars anwesend.

Bei diesen Besuchen entsteht ein Teil der Abschlussnote der Lehreranwärterinnen. Sowohl die Leiter der Fachseminare und des Pädagogikseminars als auch der Schulleiter geben nach 18 Monaten eine Note ab. Diese ergeben zusammen mit der Bewertung einer schriftlichen Arbeit 50 Prozent der Abschlussnote. Die andere Hälfte ist die Bewertung der Abschlussprüfung. Mit dem Staatsexamen endet die Lehrerausbildung.

Die Unterrichtstätigkeit ist die eine Seite der Praxisphase. Zudem besuchen Rüther und Kaiser Seminare an den Schulen der anderen LiVDs. Und die werdenden Lehrer hospitieren untereinander. All dies dient nach Worten Rüthers dazu, möglichst viele Anregungen zu sammeln und unterschiedliche Schulen zu Gesicht zu bekommen.

Außer an diesen Schulen verbringen Rüther und Kaiser derzeit jede Menge Zeit im Auto, denn beide wohnen in Hannover. Allein die Fahrt nach Nienstädt und zurück nimmt täglich in etwa zwei Stunden in Anspruch. Dienstags müssen die Frauen zu den jeweiligen Fachseminaren fahren. Donnerstags ist Pädagogikseminartag in Wunstorf. Zeitaufwendig ist sie also, die Lehrerausbildung. Da hilft nur, früh aufzustehen. Genauer: um 5.30 Uhr.

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