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Ihr Auftrag: Leben ins Dorf bringen

BAKEDE. Warum nicht mal den Blick gen Osten richten? Rolf Wittich hat es getan – und fand sein Motto, dass das Rad nicht überall neu erfunden werden muss, erneut bestätigt: In Brandenburg kümmern sich Männer und Frauen ehrenamtlich um den Erhalt der Dorfgemeinschaft. Ihre offizielle Bezeichnung: „Dorfkümmerer“.

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Autor:

Gerhard Honig und Jens Rathmann

„Inzwischen habe ich erfahren, dass auch im Landkreis Göttingen solche ehrenamtlichen Helfer ausgebildet werden sollen. Ich habe daraufhin den Landrat angeschrieben“, erklärt Wittich – und erhofft sich von Tjark Bartels eine Antwort auf seine Frage, ob nicht auch der Landkreis Hameln-Pyrmont derartige Helfer auf seine Agenda setzen könne. Eine Antwort hat der Bakeder Ortsbürgermeister noch nicht, von der grundsätzlichen Idee aber ist er nach wie vor begeistert: Im Ortsrat Bakede-Böbber-Egestorf berichtete er von der Grundidee hinter dem Projekt, mit der das Gemeinschaftsleben in den ländlichen Regionen Brandenburgs, ab 2013 gefördert vom Sozialministerium, gestärkt wurde.

Entwickelt wurde die Idee der Dorfkümmerer mit Unterstützung eines Berliner Sozialunternehmens, und dessen Geschäftsführer Norbert Kunz beschreibt die Aufgabe wie folgt: „Ein Dorfkümmerer ist in erster Linie jemand, der die anderen Bewohner motiviert, Neues zu wagen.“ Mit Unterstützung des Dorfkümmerers könnten zum Beispiel Lösungen bei Problemen im Nahverkehr gefunden werden. Die Idee ist, Menschen dafür zu gewinnen, die aus den Regionen selbst stammen. Die Aufgabe sei nichts für „Quertreiber“, sondern für Bewohner, die in den Gemeinden anerkannt seien und den Zusammenhalt stärken wollen.

Und angelehnt an diese Einschätzung sieht Wittich auch am Süntelrand gute Chancen, die Position mit einem Mann oder einer Frau zu besetzen, die sich außerhalb des Ortsrates und seiner Aufgaben engagieren möchte. Der Ortsbürgermeister berichtete, dass ehrenamtliche Helfer in den Brandenburger Gemeinden unabhängig von den Dorfvorstehern agierten, im Rathaus der übergeordneten Stadt durchaus selbstbewusst aufträten und sich bei der Suche nach neuen Geldquellen als hartnäckig erwiesen. Ideen zur Ausschöpfung natürlicher Ressourcen für den Fremdenverkehr würden gesammelt, die Verwirklichung von Projekten verfolgt – wodurch neue Strukturen, im Idealfall auch Arbeitsplätze, entstünden. Fast verlassene Dörfer würden wieder lebenswert, auch für Jüngere. Der Ortsrat nahm den Vorstoß des Ortsbürgermeisters wohlwollend zur Kenntnis.

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