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150 bei Protestkundgebung / Scharfe Kritik auch an Kreis-CDU

IGS-Demo: "Wir kämpfen weiter"

Stadthagen (ssr). Rund 150 Teilnehmer haben sich gestern auf dem Stadthäger Marktplatz zu einer Protestkundgebung gegen die IGS-Politik der Landesregierung versammelt. Dazu aufgerufen hatte der frühere Stadthäger IGS-Leiter Richard Wilmers. Die Teilnehmer verabschiedeten eine Resolution "Keine Demontage der Gesamtschulen", für die in den kommenden Wochen landkreisweit Unterschriften gesammelt werden sollen.

Kundgebungsteilnehmer hängen ihre Wünsche für die drei neuen IGS

"Zornig" und "maßlos enttäuscht" seien die Eltern, rief der stellvertretende Vorsitzende des Kreiselternrates, Bernd Wolf, aus. Insbesondere das Nein der Landesregierung zum verbindlichen Nachmittagsunterricht an neuen Integrierten Gesamtschulen sei ein "Schachzug, um die pädagogischen Ziele der IGS zu unterlaufen". Weitere "Gemeinheiten" seien die Verpflichtung neuer IGS auf eine Fünfzügigkeit und die Vorgabe, Integrationsklassen mit behinderten Kindern in voller Klassenstärke zu fahren. "Wir Eltern haben jedes Vertrauen in eine ideologiefreie Unterstützung unserer Kinder durch die Landsregierung verloren", rief Wolf. Er ermunterte die Eltern, "massiv Druck aufzubauen". Die Schaumburger CDU forderte er auf, bei der Landesregierung "für die Erfüllung des hiesigen Elternwillens einzutreten, sonst macht sie sich mitschuldig an dem Wahlbetrug". Brigitte Naber, Lehrerin an der Stadtschule Rodenberg, sprach im Namen aller Planungsgruppen für die drei neuen IGS. "Wir reklamieren die Form der Auslieferung des Wahlversprechens", sagte sie: Denn eine IGS ohne verbindlichen Nachmittagsunterricht sei wie ein Auto mit Hilfsmotor. "Wir kämpfen weiter", versprach die Pädagogin, "für die Ausstattung mit mehr Lehrerstunden." Der Schüler Jonas Blatt (18) schilderte in detaillierter Form, wie an der IGS in Stadthagen Vormittags- und Nachmittagsunterricht "gut überlegt verzahnt" seien. "Aus eigener Erfahrung" könne er sagen: "Nachmittagsunterricht an einer IGS ist pädagogisches Programm, das darf nicht der Beliebigkeit überlassen bleiben." Es würden "IGS zweiter Klasse" geschaffen, monierte die SPD-Kreistagsabgeordnete Marina Brand (SPD), die ausdrücklich namens der Fraktionen von SPD, Grüne, WGS, Linke und "Wir" sprach. Die Eltern in Schaumburg seien "bewusst getäuscht und für dumm verkauft" worden. Das Wahlversprechen der CDU habesich als "scheinheilig" entpuppt. Was in Schaumburg kommen solle, "das sind gar keine IGS", rief Brand aus. Wer anderes behaupte, offenbare "blanke Ahnungslosigkeit". Die CDU in Schaumburg forderte sie auf, "sich an die Seite der Eltern zu stellen und nicht in Gehorsam gegenüber der Landesregierung zu erstarren". Kundgebungsmoderator Wilmers verlas eine Resolution, in der drei Forderungen aufgestellt werden: Neue IGS sind in Schaumburg nur als Ganztagsschulen mit verbindlichem Unterricht an drei Nachmittagen und freiwilligen Angeboten an einem vierten Nachmittag zu führen. Integrationsklassen haben maximal 22 Schüler. Neue IGS müssen auch drei- oder vierzügig sein können. Das Papier wurde durch prasselnden Beifall verabschiedet, nun sollen landkreisweit Unterschriften gesammelt werden. Auf dem Stadthäger Marktplatz (Ecke Echternstraße) steht noch einige Tage lang ein Weihnachtsbaum, der mit vielen bunten Schildern behängt ist. Auf diesen stehen Wünsche der Kundgebungsteilnehmer für die neuen IGS in Schaumburg.

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