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Einstimmiges Votum für IGS in Rinteln und neue Bedarfsumfrage / Petition gegen Fünfzügigkeit

IGS: Rat will Lösung mit Obernkirchen ausloten

Rinteln (crs). Der Stadtrat beantragt beim Landkreis die Errichtung einer IGS in Rinteln spätestens zum Schuljahr 2009/2010. Dabei soll auch eine gemeinsame Lösung mit dem Standort Obernkirchen geprüft werden, außerdem schnellstmöglich eine Bedarfsumfrage im "potenziellen Einzugsgebiet beider Standorte" durchgeführt werden. Darüber hinaus richtet der Stadtrat eine Petition an das Land, das Gebot der Fünfzügigkeit aufzuheben. Zwar wurden sämtliche Beschlüsse einstimmig gefasst - aber diese Einstimmigkeit war hart erkämpft: Zwei Stunden lang und streckenweise sehr emotional diskutierten die Ratsmitglieder bei der Sitzung am Donnerstagabend, erst eine kurze Unterbrechung brachte die gemeinsame Linie hervor.

Für eine IGS Rinteln: Vor der Sitzung im Ratskellersaal demonstr

Auch wenn sich in der Forderung nach einem IGS-Standort Rinteln alle einig waren: Einen geschlossenen Eindruck hat der Stadtrat nicht vermittelt. Gegenseitige Schuldzuweisungen prägten das Bild, teils persönliche Angriffe. Dass Rinteln das Thema IGS unterschätzt habe, in dieser Bewertung herrschte große Einigkeit. Wessen Schuld das aber sei, daran schieden sich die Geister. Ursula Helmhold (Grüne) sah "einen ganzen Teil der Schuld" bei Rintelns Kreistagspolitikern: "Die hätten früher fragen müssen, wo Rinteln in der IGS-Diskussion bleibt." CDU-Fraktionschef Ulrich Goebel schob den Schwarzen Peter genauso wie Gerlinde Göldner-Dorka (SPD) der Kreisverwaltung zu: Der Landkreis sei in der "Verpflichtung, Rinteln als größte Stadt auch als Standort in Betracht zu ziehen" (Goebel) - "da muss die Frage erlaubt sein: Hat man beim Landkreis umfassend genug gedacht?" (Göldner-Dorka). Dagmar König (CDU) hingegen bewertete das späte Erwachen als Versäumnis der Stadtverwaltung. WGS-Fraktionschef Gert Armin Neuhäuser wiederholte seine Kritik an SPD-Fraktionschef Klaus Wißmann: Dessen Antrag für eine IGS in Rinteln sei vor dem Hintergrund seiner Zustimmung zu Obernkirchen, Helpsen und Rodenberg nur fünf Tage zuvor im Kreistag "ein bisschen merkwürdig", Heinrich Sasse (WGS) nannte Wißmanns Verhalten "dreist" und richtete "schöne Grüße ans Schlaflabor" aus. Wißmann konterte, Neuhäuser selber stelle so viele Anträge, die ohne Mehrheiten blieben: "Das Thema IGS wäre doch für die WGS endlich mal die Gelegenheit gewesen, sich auszuzeichnen." Dieter Horn (SPD) wiederholte indirekt seine Kritik am Landrat und sprach davon, "aus dem Norden immer nur Störfeuer in massiver Weise" zu bekommen - bat aber auch um Verständnis für hochkochende Emotionen: "Da kann es sein, dass man mal übers Ziel hinausschießt." Trotz aller Hakeleien: Der Stadtrat bemühte sich auch um einen Schulterschluss - in den eigenen Reihen genauso wie mit dem Landkreis und Obernkirchen. "Wir müssen eine Lösung mit Obernkirchen finden, als gemeinsame IGS oder als Außenstelle", stellte Helmhold die aus ihrer Sicht einzige Option dar. In dieser Sache sei "viel Porzellanzerschlagen worden", bezog sie sich auf die publik gewordenen Äußerungen des Staatssekretärs, mit dem sie auch selber gesprochen habe. Für eine eigene IGS gebe es schlicht nicht genug Schüler, argumentierte Neuhäuser - einzige Lösung: Das Land müsse das Kriterium der Fünfzügigkeit kippen. CDU und FDP machten sich für den Erhalt von Haupt- und Realschule stark: "Wir sollten diese Schulformen nicht zerschlagen", forderte Dagmar König einen Erhalt des Systems, auch Paul-Egon Mense sah die IGS eher als "Ergänzung". Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz intervenierte: "Wer ehrlich eine IGS will, muss den Abschiedvon Real- und Hauptschule in Kauf nehmen - alles andere ist unredlich."

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