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So erlebt die Schauspielerin Nadine Nollau den straffen Zeitplan einer Tournee – ein Garderobenbesuch

„Ich versuche, meinen eigenen Rhythmus zu finden“

Hameln. „Und was machen Sie frühmorgens?“ Die Frage hört Nadine Nollau immer wieder. Immer dann, wenn sie ihren Gesprächspartnern gerade gesagt hat, sie sei Schauspielerin. Das Missverständnis scheint weit verbreitet: Wer abends auf der Bühne steht, muss wohl den ganzen Tag lang freihaben. Aber das ist falsch: „Es gibt Phasen, in denen dauern die Proben von 10 bis 14 Uhr und dann wieder von 18 Uhr bis Mitternacht“, sagt die 29-Jährige. Je nach Produktion, je nach Rolle ist ihr Tagesablauf ein völlig unterschiedlicher.

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Autor:

Julia Marre

Morgens um acht Uhr im Büro sitzen? „Oh Gott, nein! Das bräuchte ich nicht“, sagt Nadine Nollau und winkt ab. Mittlerweile fragt sie sich auch, wie sie es zur Schulzeit immer pünktlich um acht Uhr in den Klassenraum geschafft hat. „Das könnte ich heute nicht mehr.“

So unterschiedlich ihr Tagesablauf auch sein mag – die Schauspielerin lässt sich darauf ein. „Ich pegele mich ein. Das ist ja gerade das Schöne und Spannende an dem Job!“ Auch ohne immer dieselbe tägliche Arbeitszeit folgt sie strikten Zeitplänen. „Dann und dann sind Proben angesetzt. Bei Aufführungen gibt es feste Zeiten, wann ich in der Maske und in der Garderobe sein muss.“

Es ist 18.46 Uhr, als Nadine Nollau am Donnerstagabend in der Garderobe des Theaters Hameln sitzt. Draußen ist es fast dunkel. Die Lampen an den Schminktischen leuchten schon. Sie signalisieren: Bald beginnt die Aufführung. In Kürze wird die Schauspielerin in ihr Nonnenkostüm schlüpfen. Es hängt hinter ihr auf dem Kleiderbügel, wartend. Im Drama „Zweifel“ spielt sie Schwester James. Bis 19 Uhr hat sie noch Zeit zum Plaudern, sagt die 29-Jährige. „Ist doch noch Zeit, oder?“, fragt sie. Eine Uhr gibt es in diesem Raum nicht. „Eigentlich gibt es in den Garderoben überall Uhren“, sagt sie.

Die hochgeschobenen Ärmel ihres türkisfarbenen Kapuzenpullis geben den Blick auf ihre Handgelenke frei: Eine Armbanduhr trägt sie nicht. Nie. „Die ist mal kaputtgegangen“, erklärt die Schauspielerin. Um zu wissen, wie spät es ist, nutzt sie ihr Handy. „Irgendwo muss das auch sein“, sagt sie gelassen. Sie richtet sich nach ihrer eigenen Zeiteinteilung. „Ich brauche Momente, um mich zu sammeln. Und die nehme ich mir.“ Im Umgang mit anderen ist ihr Pünktlichkeit wichtig – „schon aus Respekt gegenüber den Kollegen“. Und jetzt, am Aufführungsabend? „Kurz vor acht wäre es mal schön, wenn die Kollegen alle da wären“, sagt sie.

Dass Premiere ist, bewegt Nadine Nollau seit dem Vortag. „Das aufgeregte Gefühl muss ich versuchen zu halten – als Schwung“. Wie sie den Aufführungstag bisher erlebt hat? Weil schon am Vortag die Generalprobe war, gab es an diesem Tag keine Vormittagsprobe. Sie konnte länger schlafen. „Ich habe schön gemütlich gefrühstückt“, sagt die Schauspielerin. Wann? „Ich glaube, so ab 9.30 Uhr. Heute habe ich mir Zeit gelassen.“ Um 11 Uhr ging sie zurück in ihr Hotelzimmer. Eine halbe Stunde lang ist die Schauspielerin ihren Text durchgegangen. Ihre Rolle in dieser Produktion spielt sie am Abend zum ersten Mal vor Publikum. „Dann bin ich durch Hameln gelaufen. Ich musste mal frische Luft schnappen.“ Für die anderen Schauspieler hat sie Glücksbringer („Toi-Toi-Tois“) besorgt. Ab zwei Uhr war sie zurück im Hotel, wo sie erneut ihren Part durchgegangen ist. Nach dem Schwimmen im Hotelpool hat sie anderthalb Stunden lang „gar nichts getan“: „einfach liegen und auf den Kopf hören, ohne Radio.“ Danach: noch mal Text. Abendessen. Ein weiteres Mal den Text durchgehen. „Es ist eine ständige Mischung aus Entspannung und Spannung“, beschreibt Nadine Nollau die Tage während der Schauspiel-Tournee.

Die Vorbereitung auf das Stück war „stressig, weil ich eingesprungen bin“, sagt sie. Ende Januar hat sie während eines anderen Engagements ihren Text bekommen. Dann ging alles sehr schnell: Am 3. März ist sie von Berlin nach Stuttgart gefahren. Am 4. März hat sie dort den Regisseur zum Vorgespräch getroffen. Am 5. März gab es eine erste Probe, am 9. März bereits die Generalprobe. Am 10. März war die Premiere in Hameln. Heute steht Nadine Nollau mit dem Stück in Lohne, morgen in Papenburg auf der Bühne. Die Tournee dauert bis zum 15. April an. Bis dahin wird es 27 Vorstellungen geben. Tage, deren Rhythmus sich ähnelt und dem Nadine Nollau sich anzupassen versucht. „Die Kontinuität ist immer eine andere, aber es gibt immer eine“, sagt sie lächelnd. Es ist 19 Uhr.

Für ihre Rolle als Nonne muss sich Nadine Nollau nur die Nase pudern. „Das geht schnell“, sagt sie. Bei manchen Stücken muss sie schon anderthalb Stunden vor einer Vorstellung im Theater sein. Foto: are

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