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Fraktionschefin Anja Völksen sorgt mit E-Mail für Wirbel

„Ich trete mit sofortiger Wirkung aus der SPD aus“

Bad Münder. Die mündersche SPD kommt nicht zur Ruhe. Die monatelangen Machtkämpfe und Intrigen haben einen neuen Höhepunkt erreicht: Fraktionschefin Anja Völksen hat in einer E-Mail ihren Parteiaustritt erklärt.


Es ist Sonntagabend, als es den Fraktionsmitgliedern beim Blick in ihren elektronischen Posteingang die Sprache verschlägt. „Diesen Schritt habe ich mir lange, sehr lange überlegt“, schreibt die Brullsenerin da. Schon im vergangenen Sommer habe sie mit dem Gedanken gespielt, aus der SPD auszutreten. Damals hätten Parteifreunde sie davon abgehalten und ihr stattdessen Mut zugesprochen. Doch nun sei für sie das Fass endgültig übergelaufen. „Ich musste mich aufs Übelste beschimpfen lassen, mir wurden Dinge unterstellt, die einfach nicht stattgefunden haben“, macht sich Völksen in der E-Mail Luft. Auch von Belästigungen unter der Gürtellinie ist die Rede. Die Politikerin nennt zwar keine Details, stellt aber in den Raum, nicht als Einzige betroffen zu sein. Angeblich geht es um sexistische Äußerungen, die gefallen sein sollen.

Am Montag trifft sich die Fraktion im Steinhof. Für viele überraschend nimmt auch Völksen kurzfristig an der Zusammenkunft teil. Die Stimmung ist angespannt. Viele der elf Anwesenden – unter ihnen ist auch Bürgermeister Hartmut Büttner – sprechen Völksen das Vertrauen aus, versuchen, sie zum Weitermachen zu bewegen. Völksen lässt sich schließlich überreden, ihre Entscheidung noch eine weitere Nacht zu überschlafen.

Auf Anfrage betont sie: „Ich stehe zu jedem Wort, das ich geschrieben habe.“ Was ist mit dem erklärten Austritt? Formal sei der Schritt noch nicht endgültig vollzogen. „Dazu muss ich erst das Parteibuch abgeben.“ Nach knapp 30 Jahren in der SPD falle ihr die Entscheidung nicht leicht.

Sollte sie sich endgültig zum Parteiaustritt durchringen, werde sie in jedem Fall ihr Ratsmandat behalten, kündigt sie an. Ob sie als Fraktionslose weitermache oder aber sich einer anderen Ratsgruppe anschließe – „all das weiß ich noch nicht“.

Auch Stadtverbandschef Söfjer will die Entwicklung auf sich zukommen lassen, wie er sagt. „Ich habe die Mail von Anja Völksen zur Kenntnis genommen – kommentieren werde ich das nicht. Ich gehe davon aus, das die zuständigen Gremien bald in aller Ruhe darüber beraten werden.“ Er selbst habe sich weiterhin nichts vorzuwerfen. In der jüngsten Mitgliederversammlung habe er mit seiner Wiederwahl einen klaren Auftrag bekommen. „Den werde ich erfüllen.“

Ihre Kritik richte sich keinesfalls allein gegen Söfjer, unterstreicht Völksen. Neben dem Parteivorsitzenden gebe es noch eine Gruppe weiterer Genossen, „mit denen eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist“.mf

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