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„Ich habe hier immer ein Freiheitsgefühl“

Als Uwe Deppe noch als Kind im Doktorsee planschte, war Friedrich-Wilhelm Hoppe schon Geschäftsführer von Rintelns Haus-See. 50 Jahre später blicken beide auf fünf Jahrzehnte Doktorsee zurück – Hoppe mittlerweile als Rentner, Deppe als Geschäftsführer. In diesem Jahr wird der Doktorsee nämlich 50 Jahre alt.

Nach den Zeiten des „wilden Badens“ steigt die Besuc

Von Philipp Killmann

Seit 1907 wurde dort zunächst Kies abgebaut. Die Doktorsee-GmbH nahm ihren Anfang rund 50 Jahre später, 1960, als sie von 72 Gesellschaftern gegründet wurde, erzählt Hoppe: „Wir hatten ein Stammkapital in Höhe von 100 000 Mark.“ Als damals treibende Kräfte nennt Hoppe den Bauunternehmer Erich Vogt und den Sparkassenvorsitzenden Hans Kothy. 1961 folgte der Eintrag ins Handelsregister. Doch da man mit 100 000 Mark nicht weit gekommen sei, habe man das Stammkapital nach einem Jahr verdoppelt.

„Zunächst bauten wir ein Terrassencafé. Das war damals nur ein Viertel so groß wie das heutige. Dazu kamen drei Toiletten und der erste Campingplatz“, erzählt Hoppe. „Durch die GmbH wurde dem unbeaufsichtigten ,wilden Baden‘ der vorangegangenen Jahre ein Ende gesetzt.“ Wenige Jahre später entstanden drei Häfen verschiedener Motorbootklubs, die Gaststätte Grauer Hecht, Ende der sechziger Jahre dann das Gasthaus Doktorweide. Auch die DLRG, der Wassersportverein und „für unterwegs“, wie Hoppe sagt, die Kirche Henoch am Doktorsee siedelten sich an.

Richtig in Gang kam das Doktorsee-Geschäft als Anfang der 60er Jahre der ADAC den Doktorsee für sich entdeckte und ihn im Frühjahr mit rund 350 Gespannen zum „Ancampen“ nutzte. So wurden im Laufe der Jahre aus anfänglich 150 Plätzen bald 1500 – „und bis Ende der achtziger Jahre stellten wir den größten Camping-Platz Deutschlands dar“. Mitte der achtziger Jahre wurden dann die ersten Ferienappartments gebaut.

Die Kasse befindet sich immer noch im selben Gebäude.
  • Die Kasse befindet sich immer noch im selben Gebäude.
Malerisch stellte sich der Doktorsee schon in schwarz-weiß dar.
  • Malerisch stellte sich der Doktorsee schon in schwarz-weiß dar.
Aus der Luft sind die Veränderungen des Sees deutlich sichtbar.
  • Aus der Luft sind die Veränderungen des Sees deutlich sichtbar.
Als am Doktorsee noch gebaggert wurde.
  • Als am Doktorsee noch gebaggert wurde.
Die Kasse befindet sich immer noch im selben Gebäude.
Malerisch stellte sich der Doktorsee schon in schwarz-weiß dar.
Aus der Luft sind die Veränderungen des Sees deutlich sichtbar.
Als am Doktorsee noch gebaggert wurde.

1970 wurde Hoppe Geschäftsführer und löste damit seinen Vorgänger Hans Kothy ab. Leicht sei ihm die Entscheidung nicht gefallen. „Ich war selbstständig, Einzelhändler im Textilgeschäft – also entschied ich mich, die Stelle zunächst für ein Jahr zur Probe anzunehmen. Da zeigte sich, dass mir diese Arbeit lag – zudem handelte es sich bei diesem Angestelltenverhältnis um einen sicheren Job, anders als im Einzelhandel. Aber ja“, gibt Hoppe zu, „ein bisschen überredet wurde ich auch: vom damaligen Stadtdirektor Dr. Henze.“

Hoppe schildert, worin für ihn der besondere Reiz des Doktorsees besteht: „Er hat eine wunderschöne Lage und stets viel Animation zu bieten, auch für Kinder. Zudem geht es auf dem Campingplatz sehr familiär zu, und allein das Wasser: Das ist sehr naturbelassen, und die Badegäste können unter sich sein – anders als am Badeort Schillig“, stichelt Hoppe in Richtung friesländische Konkurrenz. „Schön in Erinnerung habe ich vor allen Dingen den fröhlichen Umgang mit den Menschen. Manche, darunter viele Holländer und Skandinavier, haben uns bis zu 30 Jahre lang die Treue gehalten.“

Aber es war nicht immer alles nur schön und einfach. Das Bangen um Hochwasser der Weser, Hochwasser, das in den achtziger und neunziger Jahren zu großen Schäden am Doktorsee führte. „Oder in den Siebzigern, als wir noch nicht über eine eigene Wasserversorgung verfügten, drohten die Brunnen umzukippen, wenn die Weser zu wenig Wasser führte“, erzählt Hoppe.

Die Veranstaltung des Jahres, „Doktorsee in Flammen“, geht, streng genommen, übrigens auf den ADAC zurück. Dieser habe um 1970 herum sein eigenes Lichterspektakel organisiert, „von denen die Camper allerdings ausgeschlossen waren“, sagt Hoppe. Daher habe er sich etwas, wie er sagt, „ausgefuchst“, und zwar ein Feuerwerk auf eigene Rechnung, für die Camper wie für alle anderen.

Ob er rückblickend ein bisschen Stolz empfindet? „Nein“, sagt er, „höchstens Dankbarkeit. Immerhin hat der Aufsichtsrat meine Arbeit honoriert und mir gestattet, nebenbei auch noch 20 Jahre lang Bürgermeister von Rinteln zu sein.“ Das alles habe natürlich viel Arbeit gekostet, „ein Fulltime-Job“, wie Hoppe sagt, „von morgens um 6 bis abends um 10, außer im Winter, versteht sich.“

Diese Arbeit leistet nun seit 2001 Uwe Deppe. Gereizt habe ihn die Freude am Camping und am Wasser. „Abgesehen davon war es schlichtweg reizvoll, einen Betrieb zu führen, von dessen Art es vielleicht nur fünf andere in Deutschland gibt“, sagt Deppe, der zuvor als kaufmännischer Leiter eines Bauunternehmens in seiner Heimatstadt Dassel bei Northeim gearbeitet hat. Dieser räumlichen Distanz von rund 80 Kilometern zum Trotz ist ihm der Doktorsee von klein auf vertraut gewesen, machten seine Eltern doch immer wieder Ausflüge mit ihm dorthin. „Familie, Baden, Schlauchbootfahren, Segeln und immer wieder Wasser“, diese Bilder kommen in Deppe auf, wenn er sich an seine Besuche als Kind in Rinteln erinnert. „Ich habe hier immer ein Gefühl von Freiheit gehabt“, sagt Deppe. „Erholung und Spaß, was ich damals empfand, das möchte ich heute meinen Gästen bieten.“ Das sei seine Motivation, seine Freude der Kontakt mit den Menschen. „Aber natürlich soll es hier auch als Wirtschaftsbetrieb funktionieren“, sagt er.

In seiner bislang neunjährigen Amtszeit hat Deppe schon eine große Herausforderung meistern müssen: die Beeinträchtigung der Wasserqualität durch Blaualgen. „Das hat uns lange beschäftigt, bis wir einen Weg zur Verbesserung des Gewässers fanden: durch eine Veränderung des Fischbesatzes, die Ansiedlung von Muschelbänken, biologische Maßnahmen, die über Jahre heranreiften. Und es wird immer besser“, gibt sich Deppe zuversichtlich. Als Hoch stuft der Geschäftsführer die angelegte Badelagune ein, sowie die große Wasserrutsche und natürlich die Auftritte von Musikern, wie der Hermes-Haus-Band, Revolverheld oder Right said Fred.

Für das diesjährige Jubiläum hat Deppe unter dem Motto „50 Jahre Doktorsee“ ein paar besondere Events aus dem Boden gestampft. So findet unter dieser Prämisse am heutigen Samstag etwa die Niedersächsische Rutschmeisterschaft statt, moderiert von Radio-Westfalica-Moderator Rolf Picker. Am 17. Juli steigt ein Strandfest, und vom 23. bis zum 25. Juli findet das Sommerfest statt. Dazu zählt dann auch „Doktorsee in Flammen“, wo in diesem Jahr Stefanie Heinzmann, die 2009 noch kurzfristig absagen musste, auftritt. Ferner wird es eine, wie Deppe sagt, „so noch nie da gewesene Laser-Show geben, kombiniert mit einem Feuerwerk“. Das 3. Oldtimer-Treffen ist dann vom 6. bis zum 8. August, zu dem von Deppe viele Fahrer mit ganz speziellen Gespannen erwartet werden. Dazu gibt es ein ganzes Rahmenprogramm mit viel Live-Musik.

Ihren Abschluss finden die Jubiläumsaktionen in einer Foto-Ausstellung, die die Entwicklungsgeschichte des Doktorsees dokumentiert und vom 16. August bis zum 10. September im Foyer der Rintelner Sparkasse in der Klosterstraße zu sehen sein wird.

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