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hm09/Sprechstunde

Gerda M. aus Hameln fragt: In unserer Familie leben drei Katzen, und wir erwarten in vier Monaten unser erstes Kind. Nun habe ich von einer Erkrankung, der Toxoplasmose gehört, die während der Schwangerschaft von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden kann. Wie kann ich mich schützen ?

Heute: Toxoplasmose und Schwangerschaft

Dr. Stefanie Klingeberg-Kraus antwortet: Toxoplasmose wird durch den Einzeller Toxoplasma gondii verursacht. Der Endwirt ist hier die Katze, während die Zwischenwirte auch Nagetiere oder Menschen sein können. Der Erreger wird durch den Kot von Katzen und durch den Verzehr von rohem Fleisch übertragen und kann außerhalb des Körpers bis zu einem Jahr infektiös sein. Selbst im Kühlschrank kann Toxoplasma drei Wochen überleben. Etwa 65 Prozent aller Katzen haben sich bereits an der Toxoplasmose angesteckt. Ungefähr 1500 Fälle von Säuglingstoxoplasmose werden jährlich gemeldet. Aber auch als Erwachsener kann man sich an Toxoplasmose infizieren.Besonders gefährdet sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, wie Kleinkinder, Senioren, Aids- und Dialysepatienten.

Nach der oralen Aufnahme des Erregers vermehrt sich dieser zunächst in den Lymphknoten, um im Anschluss an diese Vermehrungsphase in Massen in das Körpergewebe zu strömen, wo er vorwiegend die Muskulatur und das Gehirn befällt. In diesem besonders gut durchbluteten Gewebe angekommen, bildet Toxoplasma eine Schutzhülle, eine sogenannte Zyste, die den Erreger widerstandfähig macht.

Bereitet man als Mensch rohes Fleisch zu, oder isst man dieses ungenügend gekocht, oder werden Katzen mit diesem gefüttert, kann es im Darm zu einer Infektion kommen. Infektiös sind dabei die Gewebezysten im Muskelfleisch und auch die Oozysten im Katzenkot. Die Katzen stecken sich sowohl an rohem Schweinefleisch als auch an Mäusen, Ratten und Ähnlichem an.

Totgeburten können die Folge sein

Besonders schwerwiegend ist die Übertragung der Infektion von der Mutter auf das ungeborene Kind im letzten Drittel der Schwangerschaft, wenn die Mutter in diesem Zeitraum das erste Mal infiziert wird. Mögliche Erkrankungen für das ungeborene Kind sind ein Wasserkopf, geistige Behinderungen, Erkrankung der Netzhaut, Fehl- und sogar Totgeburten. Die Erwachsenentoxoplasmose hat einen wesentlich milderen Verlauf, häufig werden nur grippenähnliche Symptome bemerkt.

Grundsätzlich gibt es keinen Grund, sich von den Katzen während der Schwangerschaft zu trennen, aber eine Blutuntersuchung sowohl der Frau durch den Hausarzt als auch der Katzen durch den Tierarzt auf Toxoplasmose-Antikörper ist angeraten.

Katzentoilette sollten lieber andere reinigen

Außerdem sollte neben einer ausgeprägten Hygiene darauf geachtet werden, den Katzen nur gut durchgegartes Fleisch zu füttern. Schwangere sollten es vermeiden, die Katzentoiletten selbst zu reinigen und natürlich auf den Verzehr von rohem und nicht durchgegartem Fleisch zu verzichten. Abschließend ist zu sagen, dass eine Infektion mit Toxoplasma gondii bis zu einem gewissen Stadium behandelbar ist.

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