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Himmel trifft Arbeit

Das war was am Donnerstag: Christi Himmelfahrt und der 1. Mai an einem Tag. Dazu noch Vatertag und Messestart. Man hätte sich vierteilen müssen, um alles wahrzunehmen!

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Autor:

Pastor Heiko Buitkamp

Da ist es beruhigend, dass es nach menschlichem Ermessen ein einmaliges Ereignis für uns war. Erst in 160 Jahren fallen Himmelfahrt und der 1. Mai wieder zusammen. So war es eine einmalige Chance: Himmel und Arbeit trafen aufeinander. Organisatorisch blieben sie in Rinteln allerdings getrennt in kirchliche und gewerkschaftliche Veranstaltungen. Eine vergebene Chance? Es gibt Verbindungslinien zwischen Himmelfahrt und dem Tag der Arbeit. Der Himmel ist ein Bereich, den sich kein Mensch erarbeiten kann. In dieser Hinsicht hat Christus für uns die Arbeit getan. Die Frage, wie man in den Himmel kommt, braucht unsere Sorge nicht mehr sein. Unserem Zugang zum Himmel brauchen wir keine Anstrengungen widmen, sondern wir können uns darauf konzentrieren, die irdischen Verhältnisse menschlicher zu gestalten. Und dazu gehört die Frage nach Teilhabe an menschenwürdiger Arbeit, die die Gewerkschaften umtreibt. Der 1. Mai erinnert an das Recht auf Arbeit als Bestandteil des menschlichen Lebens und der menschlichen Würde innerhalb der Gemeinschaft. Der Himmelfahrtstag erinnert daran, dass alle Bemühungen um menschenwürdige Arbeit weit über die materielle Dimension hinausgehen. Kirchen und Gewerkschaften wissen: Arbeit ist mehr als reines Geldverdienen. Die christliche Tradition betont von der Schöpfungsgeschichte an, dass Arbeit eine Möglichkeit ist, die von Gott geschenkte Würde aktiv zu gestalten. Kirchen und Gewerkschaften ist bewusst, dass in unserer Gesellschaft nicht die Arbeitslosen das Problem sind, sondern die fehlenden Arbeitsplätze. Kirchen und Gewerkschaften fordern beide einen existenzsichernden Mindestlohn, denn Vollzeitbeschäftigte müssen von ihrem Lohn leben können. Zusätzlich klagen diejenigen, die Arbeit haben, über zunehmende Belastungen im Beruf. Das Gebot der Heiligung des Feiertags weist darauf hin, dass Arbeit eine Grenze braucht, wenn sie human sein will. Diese Begrenzung gilt für den arbeitsfreien Sonntag ebenso wie für die täglichen Arbeitszeiten. Es war ein großes Zusammentreffen am Donnerstag: die Forderung nach menschenwürdiger Arbeit traf auf die Verheißung des Himmels, die allen ein menschenwürdiges Leben verspricht. Dafür lohnt sich der Einsatz schon heute und nicht erst in 160 Jahren. Heiko Buitkamp ist Pastor der reformierten Jakobi-Gemeinde .

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