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Eine Fahne macht es deutlich: Das Rathaus wird 200 Jahre alt

Hier wurde Geschichte geschrieben

Bad Münder. Glückwunsch, altes Haus. Nicht gerade in aller Stille, aber auch nicht mit einer rauschenden Party begeht die Stadt das 200-jährige Bestehen des Rathauses in Bad Münder. Wobei gleich hier das eigentliche Problem auftaucht, das die Münderaner mit ihrem Rathaus haben: In güldenen Lettern steht zwar Rathaus am Gebäude – wer aber den Hauptsitz der Verwaltung, das Büro des ersten Bürgers der Stadt oder gar das Zentrum kommunalpolitischer Entscheidungsgewalt hinter den schweren Mauern an der Obertorstraße vermutet, liegt falsch. Das Büro von Bürgermeister Hartmut Büttner liegt repräsentativ im Steinhof, wo auch andere Teile der Stadtverwaltung angesiedelt sind. Und der zentrale Sitzungsraum, in dem die Weichen für die Zukunft der Stadt gestellt und Entscheidungen vorbereitet werden – befindet sich ebenfalls dort. Das war, als 1815 der Neubau eingeweiht wurde, noch anders. Gebaut wurde das Rathaus während der Besetzung des Kurfürstentums Hannover durch napoleonische Truppen in Fachwerkbauweise, lediglich die Hauptfront wurde in massiver Bauweise errichtet.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

„Unter dem heutigen Verwaltungsgebäude ruhen die Trümmer von mindestens drei Vorgängerhäusern“, hat Anika John, Fachdienstleiterin Stadtentwicklung, bei ihren Recherchen zur Geschichte des Gebäudes entdeckt. Ihre zentrale Quelle: Die Ausführungen von Stadtdirektor a.D. und Heimatforscher Hermann Weber, der sich 1998 intensiv mit der Geschichte der Stadt und ihrer Gebäude beschäftigte.

Weber schließt aus Überlieferungen, dass an gleicher Stelle schon um 1300 ein „Cophus“, das die Funktion von Rathaus und Kaufhaus gehabt haben muss, gestanden hat. Von der Errichtung des Gebäudes bis 1919 war im vorderen Gebäudeteil eine Gaststätte untergebracht. Ihr Name war Programm: Ratskeller. Im Obergeschoss gab es ein Hotel mit Saal, im rückwärtigen Gebäudeteil waren die Diensträume der Verwaltung untergebracht.

1919 übernimmt die Verwaltung komplett

Ab 1919wurde das Gebäude komplett für die Verwaltung benötigt, Stadtkasse, Stadtsparkasse, Standesamt und Polizei wurden untergebracht. Der bisherige Hotelsaal diente der Stadtverordnetenversammlung als Sitzungsraum und außerhalb der Gremienversammlung der Stadtbücherei als Leseraum. „Nach der kommunalen Gebietsreform 1974 wurden verschiedene Abteilungen aus dem Rathaus in weitere Verwaltungsgebäude ausgelagert“, sagt John – unter anderem in den Steinhof.

1980 machte sich die Stadt an eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes: Die Neueindeckung des Daches und Aufarbeitung des Fachwerks entlang der Kellerstraße sowie der Dachreiter wurde in Auftrag gegeben, die Wetterfahne aus dem Jahr 1815 erneuert. Neun Jahre später wurde das Rathaus in die Liste der Denkmäler in Bad Münder aufgenommen. Zentrale Anlaufstelle für die Bürger der Stadt ist das Rathaus noch immer, wenn es um Fragen der Gleichstellung, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung, Finanzen, Rechnungswesen und Zahlungsverkehr, Bildung und Service, den Baubereich oder das Ordnungswesen geht. Zum Jubiläum schmückt die Stadt das Gebäude mit einer Fahne, die an die 200-jährige Geschichte erinnert.

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