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Pastor Helmut Ritter und die kleine Kapelle

„Hier kann man sich nicht verstecken“

Er ist mit Leib und Seele Pfarrer – Pastor Helmut Ritter hat die Wangelister in seiner knapp 29-jährigen Tätigkeit kennen und lieben gelernt. Am 25. September wird der Herr der kleinen Kapelle 65. Dann muss er den Job an den Nagel hängen, wohl oder übel. Mit Pastor Helmut Ritter sprach Ulrich Behmann über die Vergangenheit und die Zukunft.

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Herr Ritter, ist es wahr, dass Sie ausschließlich in Wangelist als Geistlicher gewirkt haben?

Ja, das stimmt. Dies ist meine erste und einzige Gemeinde. Mein Werdegang ist etwas außergewöhnlich. Elf Jahre habe ich beim Dufthersteller H & R in Holzminden gearbeitet. Dort war ich Industriekaufmann. Danach habe ich sieben Jahre Theologie studiert. 1982 bekam ich diese Pfarrstelle. Ich wollte hier nie wieder weg.

Warum?

Weil es in Wangelist schön ist, weil hier viele liebenswerte Menschen wohnen, und weil die St.-Annen-Kapelle zu den allerschönsten in Deutschland zählt. Hier kann man sich nicht verstecken. Hier ist man mittendrin. Das gefällt mir. Im Laufe der Zeit habe ich 450 Taufen und 880 Beerdigungen durchgeführt. Das ist schon eine ganze Menge.

Wenn Sie am 26. September entpflichtet werden, wird Ihre Stelle nicht wiederbesetzt. Wer übernimmt dann Ihre Aufgaben?

Die Gemeinde ist erst 1971 dank der Pastorin Elisabeth Hahn selbstständig geworden. Das ist nun vorbei. Ab Herbst werden die 1600 Gemeindeglieder von Pastorin Annette Lehmann mitbetreut. Sie wird zweimal pro Monat hier sein. Ich selbst bin sehr gern bereit, als Pensionär einzuspringen.

Schon vor ein paar Jahren sollte die Pfarrstelle wegfallen, oder?

Ja, sie sollte Ende 2002 für dauervakant erklärt werden. Aber die Wangelister haben für ihren Pastor gekämpft, sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet und schließlich erreicht, dass im Pfarrhaus nicht die Lichter ausgehen. Meine Stelle wurde fortan aus Spenden mitfinanziert.

In ihrer nur 100 Quadratmeter großen Kirche finden sich besonders viele Schätze. Wie kommt das?

Ich denke, das hängt mit der Geschichte der Kapelle zusammen. Sie wurde gestiftet, damit auch die Aussätzigen, die hier lebten, zum Gottesdienst gehen konnten. Man hat wohl damals aus verschiedenen Kirchen Inventar zusammengesucht. Das ist der Grund, warum wir hier romanische und gotische Kostbarkeiten haben.

Predigt seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Wangelist: Pastor Helmut Ritter.

Foto: ube

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