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Hilfskräfte gehen beim Einsatz für Flüchtlinge bis an die Belastungsgrenzen

Helfer im Dauereinsatz: „Irgendwann ist man leer“

Bad Münder. Drei Wochen Dauereinsatz in Sachen humanitärer Hilfe in der Linsingen-Kaserne in Hameln: Hinter den ehrenamtlichen Kräften von DRK, Feuerwehr und THW liegt ein gewaltiger Kraftakt. „Die Einsatzkräfte haben hervorragend funktioniert und ihren Dienst umsichtig ausgeführt“, lobt Pastor Dietmar Adler, der als Notfallseelsorger in der Hamelner Erstaufnahmeeinrichtung eingesetzt gewesen ist. Adler hat den Kameraden der Feuerwehr, aber auch anderen Helfern vor allem durch Gespräche Rückhalt gegeben. Für den Petri-Pauli-Seelsorger hat der Einsatz etwas Modellhaftes: „Da hat sich Kirche verändert. Natürlich brauchen wir auch weiterhin besondere Orte wie Kirchen und Gemeindehäuser, aber ich bin darin bestärkt worden, direkt zu den Menschen zu gehen, dort wo wir gebraucht werden.“

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Autor:

Christoph Huppert

Insgesamt waren 18 Seelsorger im Einsatz. Adler: „Wir alle haben in den vergangenen beiden Wochen jeweils zu zweit täglich 12 Stunden abgedeckt.“ Ob in der Zigarettenpause oder im Seelsorgeraum, die Gesprächsangebote wurden dankbar angenommen, denn die Belastung der Helfenden war in der Tat überdurchschnittlich.

Auch die des DRK-Kreisverbandes. Philipp Sokol von der DRK-Bereitschaft Bad Münder war auch dabei. „In diesem Einsatz waren alle Bereitschaften des Kreisverbandes tätig. Insgesamt waren über 1000 Hilfskräfte verschiedener Organisationen vor Ort, die über 1000 Feldbetten aufgebaut, jeden Tag Essen gekocht, Kleidung ausgegeben und die medizinische Versorgung sichergestellt haben.“ Sokol weiter: „Aus Bakede waren 17, aus Bad Münder 24 Helfer im Einsatz, die erst in der Küche, dann in der Logistik und später im medizinischen Bereich eingesetzt wurden.“ Vom Duschgel über Küchenutensilien bis zu Funkgeräten hatten sie alles dabei. Vom 5. bis zum 27. September leisteten die Helfer täglich bis zu 14 Stunden humanitäre Hilfe. „Das war eine sehr große Belastung, aber die Notfallseelsorge hat mitgeholfen zu verhindern, dass es zu Ausfällen kam.“ Auch die Vernetzung der Hilfsorganisationen sei durch den Einsatz deutlich gestärkt worden. „Bundeswehr, Polizei, THW, DRK, Seelsorge, alle haben sich noch weiter zusammengeschweißt.“

In vorderster Linie mit dabei auch die Kameraden der Feuerwehr Bad Münder. Die haben im Zweischichtbetrieb vor allem die Essenszubereitung und - ausgabe sichergestellt. Stadtbrandmeister Carsten Koch: „Täglich von 5 bis 23 Uhr, mit dabei alle Altersgruppen der Wehr von 16 bis über 70.“ 18 Kameraden pro Schicht haben humanitären Dienst geleistet. Koch: „Mehr geht für den Einzelnen vielleicht, aber nicht für die Wehr als Ganzes. Irgendwann ist man leer.“ Schließlich seien die Helfer ja aus ihrer normalen Arbeit herausgerissen. Einsätze wie der in der Linsingen-Kaserne seien in erster Linie von der Bereitschaft der Kameraden, vor allem aber der der Arbeitgeber abhängig. Koch spricht Klartext. „Humanitäre Aufgaben sind nicht primäre Sache der Feuerwehr. Und die Quittung haben wir ja jetzt bekommen.“ Dass die Niedersächsische Brandschutz-Akademie in Celle erst einmal als Flüchtlingsunterkunft genutzt und wichtige Lehrgänge nicht absolviert werden können, sei für die Feuerwehren ein „Schlag ins Gesicht“. „Dafür haben wir keinerlei Verständnis, dass das auf dem Rücken deren ausgetragen wird, die helfen.“

Schon jetzt zeichne sich der Führungskräftemangel ab. Keine Trupp- und Zugführer, kein weiteres qualifiziertes Personal, klagt Koch. Schlimmer noch. Bei den Kameraden kippe die Stimmung. Nicht selten sei bereits ein „einmal und nie wieder“ zu hören. Dass das mehr als nur ein Wermutstropfen ist, befürchten auch die Landtagsabgeordneten Petra Joumaah und Otto Deppmeyer. Sie haben Innenminister Boris Pistorius aufgefordert, die Einstellung des Lehrbetriebes der Brandschutz-Akademie aufzuheben. Es sei nicht akzeptabel, dass sich die Flüchtlingsunterbringung gerade auf dem Rücken der Feuerwehrleute vollziehe, die bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms eine unverzichtbare Hilfe seien.

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