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Serie "Baudenkmale in unserer Stadt": 1692 erbaut - Spezialbohrer hilft bei Altersbestimmung

Haus Witte: Beispiel für gelungene Sanierung

Rinteln. Die Stadt mit ihren Dörfern ist reich gesegnet mit erhaltenswerten historischen Gebäuden. Schützen kann man nur, was man kennt. In einer Serie stellen Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz einige Objekte vor.

Beispiel für gelungene Sanierung: Das Haus Witte in der Klosters

Autor:

Dr. Stefan Meyer

Bei weitem nicht alle schützenswerten Häuser in der Altstadt stehen unter Denkmalschutz. Dennoch investieren ihre Eigentümer immer wieder erhebliche Summen, um diese Gebäude zu erhalten. Sie leisten damit, auch ohne öffentliche Zuschüsse, einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in Rinteln. Ein Beispiel einer behutsamen Sanierung, die den Charakter eines Hauses nicht nur bewahrt, sondern neu zur Geltung bringt, ist das Haus Witte in der Klosterstraße 10. Der auf den ersten Blick eher schlicht wirkende Fachwerkbau an der rechten Seite der Einfahrt zum Prinzenhof hat eine wechselvolle Geschichte von mehr als 300 Jahren und birgt bemerkenswerte bauhistorische Elemente. Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz im Heimatbund konnten mit einem Spezialbohrer des Museums Bohrkerne aus dem Balkenwerk des Dachstuhls und der Fassade entnehmen. Es folgte eine Untersuchung durch ein so genanntes "dendrochronologisches" Speziallabor in Recklinghausen, das anhand der unterschiedlichen Stärke der Jahresringe im Holz dessen Alter und Fälldatum ermitteln kann. Die Ergebnisse bestätigten das, was eine bei den letzten Renovierungsarbeiten über der Eingangstür entdeckte Inschrift benennt: das Erbauungsjahr 1692. Auch dieses Gebäude steht damit für die Boomphase der Stadtentwicklung nach dem Dreißigjährigen Krieg. Anders als die meisten Städte in Norddeutschland, die sich nach dem wirtschaftlichen Niedergang dieser Zeit nur langsam erholten, erlebte Rinteln als Universitäts-, Garnisons- und Verwaltungsstadt einen bemerkenswerten Aufschwung, wobei die Klosterstraße diese Entwicklung besonders stark zu spüren bekam. Weil mit dem Festungsbau der Durchgangsverkehr von der Bäckerstraße und Engen Straße in die Weser- und Klosterstraße verlegt wurde, erfuhren die Grundstücke hier eine erhebliche Aufwertung. Vieles spricht dafür, dass erst in dieser Zeit die Hausgrundstücke beiderseits der Einfahrt zum Prinzenhof von dessen Park abgetrennt und bebaut wurden. Noch eine Besonderheit verbirgt sich im Innern des Hauses. So finden sich im Giebeldreieck hinter dem heutigen Putz der Gefache noch Reste eines Ziermauerwerks. Wie auch beim "Alten Museum" am Kirchplatz wurden die Ziegelsteine in Gräten- und Treppenmustern angeordnet und griffen damit ein verbreitetes Gestaltungselement aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg auf. Nachforschungen im Stadtarchiv förderten zwar nicht den Namen des Erbauers, aber doch eine ganze Reihe von Eigentümern aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten ans Tageslicht. Um 1747 wird der jüdische Händler Abraham Itzig Levmann genannt, Jahrzehnte später der Universitätsprobst Hermann Fröhlich. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war ein Chirurg namens Schaumburg Eigentümer, bis etwa 1870 die jüdische Familie Goldschmidt, und um 1910 der Sattlermeister W. Klemme. 1950 betrieb hier der Fahrradhändler Wilhelm Kuhfuß sein Geschäft. Die gelungene Sanierung zeigt sich besonders im Umgang mit baulichen Details. So haben sich vor der Fassade im Erdgeschoss zwei gusseiserne Säulen erhalten, die den darüber befindlichen Erker tragen. Um 1870 eingebaut, bilden sie bis heute Rahmen und Schmuck des kleinen Ladengeschäfts im Erdgeschoss. Die zahlreichen Freunde der Rintelner Altstadt können sich nur wünschen, dass das Beispiel dieses Hauses Schule macht. Übrigens steht Hausbesitzern, die mittels einer Bohrkernentnahme das Baualter ihres Hauses bestimmen möchten, der Spezialbohrer des Museums jederzeit kostenlos zur Verfügung.

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