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Vor Gericht: Angeklagter will seit Jahren impotent sein

Hat Kaninchenzüchter Zehnjährige vergewaltigt?

Nienstädt/Bückeburg (ly). Sechs Jahre nach der mutmaßlichen Vergewaltigung eines damals zehnjährigen Mädchens muss sich ein Mann aus der Samtgemeinde Nienstädt vor dem Bückeburger Jugendschöffengericht verantworten.

Beim Prozessauftakt hat der 61-Jährige die Vorwürfe bestritten. "Ich habe das nicht gemacht", sagte er und behauptete darüber hinaus, seit acht Jahren impotent zu sein. Ein entsprechendes Attest gibt es indes nicht. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Angeklagten mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe. Viel hängt in diesem Verfahren von einem Gutachten über die Glaubwürdigkeit der jungen Frau ab, das voraussichtlich am zweiten Prozesstag erstattet wird. In einer ersten Vernehmung vor Gericht blieb das mutmaßliche Opfer bei der belastenden Aussage. An einem Tag in den Sommerferien 2000 wollte das Mädchen zu einem befreundeten Kind im Nachbardorf. Unterwegs kam die Zehnjährige am Haus des Nienstädters vorbei und entschloss sich, den Kaninchen des Mannes bei der Gelegenheit einen Besuch abzustatten. Im Stall, so heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, sei der Hausherr zudringlich geworden. Danach soll er die Schülerin in seine Wohnung gezerrt und auf dem Sofa vergewaltigt haben. Sie "schrie vor Schmerzen", so Staatsanwalt Frank Hirt, worauf der Mann von dem blutenden Kind abgelassen habe. Anschließend soll die Zehnjährige stundenlang im Feld gekauert haben, bevor sie ihren Spielkameraden doch noch besuchte. Erst etwa vier Jahre später vertraute sich die Schülerin einer Reitlehrerin an, zu der sie Vertrauen gefasst hatte, und händigte der Frau ihr Tagebuch aus. Dieses ist jedoch zwischenzeitlich verbrannt. Dafür gibt es noch ein "Geheimbuch", in dem die Tat ebenfalls aufgeführt sei, wie es vor Gericht hieß. Im Februar2005 wurde Anzeige gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger erstattet. Weil die junge Frau zunächst ausführlich begutachtet werden musste, hat die Verhandlung erst jetzt begonnen. Auf dem Hof des Angeklagten herrscht offenbar reges Treiben. "Zig Kinder und Erwachsene gehen bei mir ein und aus", erzählte der 61-Jährige. "Die Kinder kommen wegen der Kaninchen." Der Prozess wird am heutigen Dienstag fortgesetzt.

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