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Handwerk ohne Strom: Die Toilette als historisches Projekt

BAD MÜNDER. Mit Stoßaxt, Winkel, Klopfholz,Gestellsäge und Klemmeisen ging es beim internationalen Museumstag rund – zumindest in Bad Münder. Museumschef, Restaurateur Michael Meier, und die Celler Zimmermänner Frank und Henning Mauritz hatten sich schweißtreibende Arbeit ausgesucht.

Michael Meier (links) und Henning Mauritz, sägen Eichenbalken. Der Bau nach historischer Vorlage ist pure Handarbeit – ohne Motor und Elektrizität. Foto: Wurtmann

Autor:

Thora Wurtmann

Die Besucher des Handwerkerhaus konnten sich ein originalgetreues Bild über die traditionelle Bauweise eines Fachwerk-Klohäusschens machen. Das kleinst mögliche Fachwerkhaus und damit ein gutes Demonstrationsobjekt, findet Meier. Er präsentierte vor Ort das heute nicht mehr übliche Abbinden per Hand – so bezeichnen die Zimmermänner das auf Länge schneiden und Anarbeiten der Holzverbindungen von Fachwerkwänden und Balken. Gebaut wird nach der Vorlage eines abgerissenenen Häuschens, das einst in der Neuen Straße stand. „Es gab wenig Freistehendene, die meisten Klohäuschen wurden an die Häuser angebaut. So wurde eine Wand gespart“, erklärt Meier.

Als Baumaterial verwenden die Handwerker Eichenholz, das Werkzeug ist nicht motorisiert. So entsteht auf leise Art und Weise eine Zapfenverbindung. „So konnte jedes Haus recycelt werden. Holz und Lehm wurden wieder verwendet“, beschreibt Meier die nachhaltige Bauweise.

Fertig wurde das handgefertigte Häuschen nicht an einem Tag – weitere Treffen sind nötig. Ein Schmied wird die Beschläge für der Tür anbringen, außerdem soll das Klo mit Lehm ausgemauert werden – was sich Meier auch als Schülerprojekt vorstellen könnte.

Fank Mauritz und Michael Meier haben sich über historische Häuser vor 20 Jahren kennengelernt. Dessen Sohn Henning ist inzwischen Zimmermann im zweiten Ausbildungslehrjahr. In seinem Beruf saniert er haupsächlich Gebäude und daher ist der Bau eines Fachwerkhauses auf traditionelle Weise eine gelungene Abwechslung. Sein nächster großer Traum: Auf die Walz gehen. „Dir steht die Welt offen. Man hat nichts dabei außer seine Kluft und sein Werkzeug“, weiß er über die drei Jahre und ein Tag lange Wanderschaft.

Bevor es Klohäuser gab, machten die Menschen ihr Geschäft direkt auf Misthaufen hinter den Häusern. Der menschliche Unrat wurde mit dem Viehmist zusammen aufs Feld aufgebracht oder im Gemüsegarten untergegraben. Aus den Aufzeichnungen des Bürgerhauses geht hervor, dass erst Mitte des 19. Jahrhunderts die einfacheren Bevölkerungsschichten das Privileg des stillen Örtchens genießen konnten. Nächster Schritt der Modernisierung war das Zementieren des Fundaments.

Meier hofft noch darauf, dass irgendwo in einem Garten ein altes, freistehendes Fachwerk-Klohäuschen steht – vielleicht auch als Schuppen umfunktioniert.

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