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Bei "Zippolino" helfen die Großen den Kleinen / Kinder fassen Vertrauen in die eigene Stärke

Hand in Hand unter der Zirkuskuppel

Obernkirchen. Der stärkste Mann der Stadt betritt die Manege mit stolzgeschwellter Brust Er dreht eine Runde, ganz langsam, damit auch jeder im weiten Zirkusrund seine enorme Muskelmasse gebührend bewundern kann. Dann stemmt er ganz mühelos die riesige Hantel - kein Problem für den stärksten Kerl, der jemals den Boden der Bergstadt betreten hat. Leider kommt nun aus dem Hintergrund ein kleiner Bönsel, schnappt sich das schwere Eisengerät und legt offen, was der Muskelberg ist: ein Betrüger, der jetzt verdientermaßen von der ganzen Manege ausgelacht wird.

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Autor:

Frank Westermann

Der Kleine blamiert den Großen - und der hat sichtlich Spaß daran. Denn nur im Duo funktioniert der nette Sketch, und er tut es nur, wenn der Große sich in seine Rolle als Depp fügt. Diese Rollenverteilung, das funktionierende Zusammenspiel zwischen Kleinen und Großen, haben 30 Kindergartenkinder vom Kammweg, die demnächst in die Schule kommen, mit Kindern aus zwei fünften Klassen der Hauptschule in der letzten Woche geübt: Drei Tage jeweils vier Stunden lang, anschließend gab es eine Vorstellung, in der die Früchte der Zusammenarbeit öffentlich gezeigt wurden. Denn die Kinder haben für eine Zirkusvorstellung geübt. Den Mitmach-Zirkus "Zippolino" hatte das "Kulturfenster" über das lange Wochenende gebucht, morgens gehört das Zelt den Kindern. Das pädagogische Ziel sei es, dass die Kinder, die jetzt in der fünften Klassen seien, sich besser kennen lernen und so zu einem stärkeren Klassenzusammenhalt finden würden, erklärt Lehrer Marco Pauselli. Zudem könnten sie durch die für sie ungewohnten Aufgaben ihr Selbstbewusstsein stärken - das gebe Kraft für den schulischen Endspurt und sorge für bessere Zeugnisse. Pauselli: "Dieses Einstudieren der Zirkusnummern ist wie eine Klassenfahrt." Und sie stärkt das Verantwortungsbewusstsein, erklärt Kindergartenleiterin Maren Witte: Schließlich müssten die Schulkinder mit den Jüngeren zusammen ihre Zirkusnummern einüben und sich dabei auch um die Kleinen kümmern. Wie sehr das geklappt hat, davon wollten sich am Sonntagmorgen im voll besetzten Zirkuszelt Väter und Mütter, Onkel und Tanten, Omas und Opas dann selbst überzeugen. Um es kurz zu machen: Es war richtig toll. Eine kleine Clownnummer, bei der zwei Mütter plötzlich mit einer Wäscheleine und einem verdutzten Gesichtsausdruck in der Manege stehen, eine tolle Balance-Nummer auf zwei Leitern und eine andere, bei der zwei zu erklimmende Stühle, auf vier Bierflaschen stehen, eine menschliche Pyramide, Bambusläufer, die geschickt zwischen sich rhythmisch bewegenden Stöcken laufen müssen, unterhaltsame Seil-Akrobatik, eine Hula-Hoop-Nummer, es gab Tellerdreher, eine sehr poetische Trapez-Nummer, bei der die Kinder in einem Reifen durch die Manege schwebten, und ganz zum Schluss noch vier Väter die eine menschliche Brücke bauen mussten und dazu das benötigten, was die Kinder in drei Tagen auch aufgebaut hatten: Vertrauen in die eigene Stärke. Einziger Kritikpunkt waren die Eintrittspreise: Vier Euro für Erwachsene und drei für Kinder sind viel Geld. Gelohnt hat sich der Erwerb der Eintrittskarte allemal: Diese 75 Minuten in der Manege werden die Mitwirkenden so schnell nicht vergessen.

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