weather-image

Hamelns Mitte: Grün und gut – aber der Lärm nervt viele

Der Bereich Hameln-Mitte ist ein eher gefühltes Stadtviertel, dessen Grenzen nicht exakt denen entsprechen, wie sie die Stadt Hameln zieht. Es wird in etwa begrenzt von Deisterallee, Kastanienwall, Mertensplatz, Feuergraben und Sandstraße. Hier haben wichtige Behörden ihren Sitz: das Arbeitsamt, das Finanzamt, vis-à-vis das Kreishaus, vor allem aber das Hamelner Rathaus mit seinem Bürgeramt, das bis 1971 Verwaltungsgebäude des BHW war. Und nebenan: das Theater.

270_008_4301135_hm667_2006.jpg

Von Christa Koch

Hameln-Mitte hat viele Facetten: Der Bereich bis zur Gartenstraße etwa entspricht dem ehemaligen Festungsgürtel, die Marienstraße war früher eine Eisenbahnersiedlung, während die Wettorstraße mit ihren prächtigen Jugendstilhäusern von frühem Wohlstand kündet. Aus dem seinerzeit mit vierreihigem Baumbestand bepflanzten Kastanienwall ist heute eine der am meisten befahrenen Straßen geworden – mit allen damit verbundenen Emissionen.

Geprägt aber war und ist Hameln-Mitte von Kasernen. Die Scharnhorstkaserne aus dem Jahre 1898, die zunächst dem 164er Infanterieregiment als Domizil diente, wurde nach dem Krieg von den Briten übernommen. Im Jahre 2001 wurde der Union Jack eingeholt, seither gilt der Bereich als innerstädtisches Filetstück: Die historischen Gebäude wurden aufwendig saniert und zu Wohnungen umgebaut, im hinteren Bereich entstanden Einfamilienhäuser, gerade für junge Familien – der Kindergarten Feuergraben ist gleich in der Nachbarschaft, das Schiller-Gymnasium nicht weit entfernt. Hier gibt es außerdem betreutes Wohnen, und die Scharnhorst-Residenz bietet Älteren ebenso ein neues Zuhause wie das Seniorenheim „Curanum“ am 164er Ring. Auch Gesundheits- und Sporteinrichtungen wie „Rehamed“ und „Lifesports“ finden sich hier.

Zentral und doch im Grünen – so beschreiben fast alle Bewohner von Hameln-Mitte ihr Umfeld. Wobei der Bürgergarten – er war früher mal ein Stadion – eine zentrale Rolle spielt. Gern nutzt Jung und Alt die Gelegenheit zum Sonnen, zum Boulespielen oder zum Relaxen, zumal die große Rasenfläche seit einigen Jahren freigegeben ist. Und hier finden in den Sommermonaten auch diverse Veranstaltungen statt, darunter in diesem Jahr auch das Rattenfänger-Freilichtspiel oder das Musical „Rats“.

So sehr die meisten Bewohner allerdings die zentrale Lage im Grünen schätzen – es gibt auch Nachteile. „Zu dreckig, viel zu laut“ – das sind zwei Punkte, die immer zur Sprache kommen, wenn es um die Schwachstellen in diesem an sich bevorzugten Wohnviertel geht. Das deckt sich im Übrigen auch mit einer Telefon-Umfrage, die die Dewezet in den letzten Wochen gemacht hat und bei der unter anderem der viele Verkehr und der Lärm im Umfeld als negative Seiten genannt wurden. Auch Hundedreck und alkoholisierte Mitbürger ärgern die Bewohner von Hameln-Mitte – und die Tatsache, dass die Stadt Hameln zu wenig dagegen unternimmt.

Fragt man etwa Fritz Meinberg, ob die Vor- oder die Nachteile des Lebens hier überwiegen, so fällt die Antwort nicht eindeutig aus. Der Polizist – er ist Kontaktbeamter für die Altstadt und wohnt am 164er Ring – findet es einerseits angenehm, so zentrumsnah zu wohnen, so dass er sogar sein Auto abgeschafft hat – andererseits verweist er nicht nur auf die höheren Mieten im Vergleich zum Umland, sondern auch auf das übermäßige Verkehrsaufkommen und den lästigen permanenten Park-Such-Verkehr. Meinberg zieht demnächst wieder aufs Dorf.

Anders Ingrid Brüning, die im Bellevue-Center wohnt und seit vielen Jahren Senioren im „Curanum“ betreut. Die 73-Jährige, deren verstorbener Ehemann Klaus, ein Rollstuhlfahrer, lange Zeit als Stadtführer fungierte, kennt ihre „Pappenheimer“ im Viertel und fühlt sich dort rundherum wohl und auch sicher. „Ich würde nie hier wegziehen. Gerade als Ältere und Alleinstehende finde ich es schön, die Geborgenheit eines Hauses mit vielen Nachbarn zu erleben“, sagt sie.

„Wir werden nicht jünger. Und das hat mit den Ausschlag gegeben, warum wir hierhergezogen sind“, bestätigt Hannelore Hartwig. Theater, Ärzte, Wochenmarkt, Bürgergarten, und alles schnell und zu Fuß zu erreichen – das findet sie positiv. Dann aber kommt ein großes Aber: „Das Hamel-Ufer ist das exklusivste Hundeklo der Stadt. Da gibt es viel Kot und Lärm schon morgens um sieben. Frühstücken auf dem Balkon ist nicht möglich“, bemängelt sie. Auch dass Passanten die Enten füttern und ihre Plastiktüten dann hinters Geländer stecken, ärgert sie. „Damit werden in Wirklichkeit vor allem die Ratten gefüttert!“

Wenn man älter wird, zieht man gerne nah an die Stadt. Das gilt auch für Heinz Berning, den es von Haverbeck aus ins Scharnhorst-Viertel verschlagen hat. Nach ein paar Jahren hat er allerdings viele Kritikpunkte, die er vor allem an die Verwaltung richtet. Der Name „Wohnpark“ muss seiner Meinung nach geändert werden in „Parkplatz“, Gemeinsam mit seinem Nachbarn Ulrich Wienkoop hat er bereits an die Stadt geschrieben wegen der „unerträglichen Parksituation“ – bisher aber ohne Ergebnis.

Hundekot auf dem (dunklen!) 164er Ring, im Bürgergarten oder am Ehrenmal – das macht Hannchen Stork ebenso sauer wie Eva Kant – nach deren Beobachtungen „kacken am Ehrenmal inzwischen sogar die Menschen“. Große Hunde ohne Leine im Bürgergarten – nach Meinung von Erika Viatr „ein Unding“. Und dann der Lärm! Der, der von Lifesports regelmäßig ausgeht, schafft nach Bernings Auffassung eine „unerträgliche Stadionatmosphäre“. Und vier Tage Open-Air-Kino im Bürgergarten mit voller Beschallung – das ist nach Meinung von Marion Reineking „eine Zumutung, und zwar nicht nur für Berufstätige“. – Alles in allem aber: Hameln-Mitte ist beliebt. Nur muss die Stadt nach Meinung der Anwohner dafür sorgen, dass es auch so bleibt.

„Hier leben wir“ ist mehr als der Titel der Dewezet-Serie – es ist ein Bekenntnis der Menschen zu dem Stadtteil, in dem sie leben. Was ihnen gefällt, was ihr Umfeld auszeichnet, aber auch, wo der Schuh drückt, haben sie der Redaktion gerne erzählt. Das Ergebnis: sieben ganz besondere Porträts.

Autorin: Christa Koch, Telefon 05151/200-414,

E-Mail: c.koch@ dewezet.de

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare