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Hameln will „Trimm Dich“ noch ausweiten

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Hameln (bha). Das „Trimm Dich“-Programm für die eigenen Mitarbeiter der Stadt Hameln ist offenbar wesentlich umfangreicher als bislang bekannt ist. Erst Mittwoch war öffentlich geworden, dass nicht nur der Bund der Steuerzahler einen Blick diesbezüglich auf die Rattenfängerstadt wirft, sondern sich auch die Kommunalaufsicht für die Fitnesstrainings der Angestellten während der Arbeitszeit interessiert (wir berichteten). Seit gestern nun liegen der Dewezet Informationen vor, nach denen die Vergünstigungen für die städtischen Mitarbeiter weit über Aqua-Fitness im Hallenbad Einsiedlerbach hinausgehen.

In einem Gutachten, das die Stadt bei der Berateragentur Health Management for Civil Servants (HMCS) mit Sitz in Herzogenaurach vor zwei Jahren in Auftrag gegeben hatte, wird in einem Fünfjahresplan ein Stufenprogramm vorgeschlagen, mit dem die Behördenmitarbeiter auf Trab gehalten werden können. Hintergrund laut Beraterin und HMCS-Mitbegründerin Katharina Dierske: „Eine Kommune kann sich genauso wenig wie privatwirtschaftliche Unternehmen erlauben, einen hohen Krankenstand erlauben. Schließlich ist es der Bürger, der die Gehälter bezahlt, und der hat ein Recht auf Dienstleister, die fit und effizient arbeiten.“
Die Agentur bestätigt der Stadt Hameln in dem Papier eine niedrige Krankenquote, sieht aber die Gefahr, dass sie „aufgrund des verhältnismäßig alten Personals“ in den kommenden Jahren das Nachsehen haben könnte und rät zur Prävention. „Um die Mitarbeiter zu motivieren, sollten sie die Möglichkeit erhalten, Sport und Übungen zur Entspannung und zum gesunden Nichtstun täglich während der Arbeitszeit erhalten“, lautet die Empfehlung, die wohl manchen Einkommensteuerzahler auf die Palme bringen dürfte. Noch vor Kurzem hatte Thomas Wahmes, Sprecher der Stadt, erklärt, dass die Schwimmzeiten für die Mitarbeiter künftig außerhalb der Arbeitszeit liegen werden. Das HMCS-Konzept war ihm zu dem Zeitpunkt offenbar nicht bekannt.
Neben einem körperlichen Fitnessprogramm, das HMCS empfiehlt, ist auch von zahlreichen Angeboten zum mentalen Training die Rede: Gezieltes Training der Nackenmuskulatur, Stärkung der Sehkraft durch 20-minütiges Augentraining, Schnelligkeit durch Kräftigung der Oberschenkel, Gedächtnistraining für Ü50 sind einige der Bausteine, die die Stadt ihren Mitarbeitern künftig zugute kommen lassen will, wie von Insidern bestätigt wird: „Das Konzept liegt in der Schublade.“ Laut gut heißen will die konsequente Umsetzung derzeit niemand, aus Angst, der Ruf der Stadt könnte noch stärker beschädigt werden. Doch auf den Fluren im Rathaus ärgert sich so mancher über Kritik: „Wir sind es uns Wert, und leid, dass uns im Moment alle auf dem Kieker haben.“ Viele freuen sich dagegen auf die ihnen zugesicherten Coaching- und Trainingseinheiten. „Feierabend, aber pünktlich!“ steht auf dem Programm für Beamte ab 30, ebenso wie „Sinnvolle Freizeitgestaltung ab Freitag um 12 Uhr.“

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