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Warum jetzt schon abverkauft wird, neue Kollektionen im Lager liegen und wie Hamelner das sehen

Hameln, 30 Grad – und der Rolli sitzt?

Hameln (ohm). Hamelns Innenstadt sieht rot! Und zwar fast überall. Große, rote Aufkleber an den Ladenfenstern schreien förmlich nach Aufmerksamkeit. 30, 40 oder gar 50 Prozent Rabatt locken die Kunden in die Läden. Es ist mal wieder Sommerschlussverkauf. Aber jetzt schon? Eigentlich hat der Sommer gerade erst angefangen, deshalb kommen den Kunden die zahlreichen Angebote genau richtig. „Da kaufe ich schon mal ein Top mehr, schließlich brauche ich sie jetzt.

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Hameln (ohm). Hamelns Innenstadt sieht rot! Und zwar fast überall. Große, rote Aufkleber an den Ladenfenstern schreien förmlich nach Aufmerksamkeit. 30, 40 oder gar 50 Prozent Rabatt locken die Kunden in die Läden. Es ist mal wieder Sommerschlussverkauf. Aber jetzt schon? Eigentlich hat der Sommer gerade erst angefangen, deshalb kommen den Kunden die zahlreichen Angebote genau richtig. „Da kaufe ich schon mal ein Top mehr, schließlich brauche ich sie jetzt. Und bei den Preisen sage ich bestimmt nicht Nein“, meint Monique Haasler. Sie fühlt sich als Gewinnerin dieser immer früher einsetzenden Preisschlacht.

Einzelhändler sehen den Schlussverkauf noch aus einem anderen Blickwinkel. „Betriebswirtschaftlich ist es ein Albtraum, aber die Kunden erwarten es nun mal“, erläutert Horst Wellner vom Modehaus Wellner die Situation. Verglichen mit den Vorjahren, in denen der Schlussverkauf erst am letzten Montag im Juli beginnen durfte, kommt er jetzt eher, sodass die Zeiträume für den regulären Verkauf natürlich immer kürzer werden.

Julia Ley, Pressesprecherin von C&A, sieht die frühen Schlussverkäufe dagegen als eine Notwendigkeit. „Wir haben zum Teil schon die neue Herbst/Winter-Kollektion im Lager, deshalb ist eine Lagerbereinigung einfach dringend nötig“, erklärt sie. Dass die neuen Kollektionen immer früher eintreffen, kann auch Hans W. Brockmann bestätigen. Im vorderen Teil seines Geschäfts hängt die reduzierte Ware, hinten die neue Kollektion. In den letzten Tagen sei sogar schon eine Kundin da gewesen, die sich nach den neuen Wintermänteln erkundigt habe. Das sei nicht selten, erklärt eine Verkäuferin, schließlich verkaufen sie die Sommerkollektion auch schon ab Januar.

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Julia Hermann und Julia Simon sind darüber überrascht. Sie würden bei dieser Hitze niemals Herbstklamotten anprobieren. „Ab Mai kaufe ich Sommersachen und im Januar Wintersachen“, erklärt Simon, und ihre Freundin ergänzt: „Der Sommerschlussverkauf ist doch eine gute Sache, da kann ich meine Sommergarderobe günstig auffrischen.“ Dass viele Kunden Julias Meinung teilen, kann auch Anna Franitzek von Zero bestätigen: „Es gibt immer wieder Kunden, die ganz gezielt nach Schnäppchen fragen.“

Es kommt mittlerweile vielen so vor, als wäre den ganzen Sommer über Schlussverkauf. „Einerseits freut es mich, andererseits kommt dadurch die Herbstkollektion für meinen Geschmack viel zu früh“, gesteht Julia. Mitte August habe sie noch keine Lust Wintersachen zu kaufen, da würde sie eher noch nach den letzten Sommerschnäppchen suchen.

Also von Juni bis September Sommerschlussverkauf satt? Das ist es zumindest, was die Werbung den Konsumenten suggeriert. Es sei immer und überall möglich, einen guten Fang zu machen, versprechen Anzeigen. Dabei gibt es sie gar nicht zu jeder Zeit: „Manche fangen schon im Mai an, ihre Ware zu reduzieren, andere erst im August, deshalb wird man kontinuierlich mit neuen Angeboten konfrontiert“, erläutert Brockmann diese Mechanismen. Das ließe den Kunden glauben, dass die Sale-Aktionen monatelang gingen.

Ab wann die Geschäfte jedoch ihre Preise senken, ist ganz unterschiedlich geregelt. Während die C&A-Zentrale für alle Filialen am 24. Juni die Schnäppchenjagd eingeläutet hatte, orientiert sich Zero lieber an den anderen Geschäften in Hameln. „Wir schauen, wann unsere Konkurrenz anfängt und ziehen dann nach. Deswegen sind wir auch immer ein paar Tage später,“ so Franitzek.

Der Sommerschlussverkauf im Hochsommer ist typisch für die antizyklische Denkweise der Textilbranche. Denn wer beschäftigt sich sonst jetzt schon mit der kommenden Wintermode? Aber es gibt auch nachvollziehbare Faktoren, die die Preissenkungen beeinflussen. Laut Ley sei besonders das Wetter dafür entscheidend, was am Ende noch in den Schlussverkauf käme. „Durch das kalte Wetter im April und Mai haben die Kunden nicht so viele Sommersachen gekauft, deshalb gibt es noch relativ viel zu reduzieren,“ so Ley. Wäre das Wetter früher so schön geworden, hätten die Leute bereits eher Sommersachen gekauft und der Schlussverkauf hätte bei Weitem weniger zu bieten, vermutet die Pressesprecherin von C&A.

So aber können sich die beiden Julias und Monique über ihre günstigen Einkäufe freuen. „Denn so macht shoppen ja am meisten Spaß“, finden die jungen Frauen.

Da ist für jeden was dabei:

Tatjana Hoffmann (li.) vom Modehaus Brockmann zeigt, was im kommenden Herbst und Winter getragen wird.

Ines Wollenteit (re.) sorgt mit der reduzierten Sommermode für Aufmerksamkeit.

Fotos: Dana

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