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"Knigge"-Kurse für Kinder stoßen auf große Resonanz

"Haltung annehmen, bitte..."

Landkreis (sk). Wie löffelt man die letzte Pfütze Suppe aus dem Teller? Wohin gehört die Serviette? Wer bietet wem das "Du" an?: 14 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und 14 Jahren haben in der Volkshochschule einen Benimm-Kurs unter dem Titel "Knigge für Kinder" absolviert. Reichlich Information gab es in vier Kursstunden zu verarbeiten - aber auch viel zu lachen.

Die Finger halten den Stiel, nicht den Bauch des Glases: Die zwö

Gegen 16 Uhr war der vorwiegend theoretische Kursteil bereits absolviert. Begrüßungsregeln hatten die Kinder gelernt, zum Beispiel, dass es höflich und sinnvoll ist, sich mit Vor- und Nachnamen vorzustellen, dass der Chef dem Untergebenen die Hand reicht, dass man sich - sofern man sitzt - bei einer Begrüßung erhebt. Das trifft auch auf eine Frau zu. Kursleiterin MonikaNolopp nannte eine generelle Ausnahme: "Beim Essen darfst du sitzen bleiben." Ob korrekte Begrüßung, Kleidervorschriften oder Tischmanieren: Der Regeln gibt es viele. Nolopp hatte darum für jedes Kind eine Info-Mappe mit den wichtigsten Regeln zusammengestellt. Tischmanieren - und zwar deren Umsetzung an der gedeckten Tafel - nahmen den größten Teil des Kurses ein, der aufgrund der großen Resonanz die zweite Auflage erlebte. Die Praxis gebar dringliche Fragen, etwa: "Was mache ich mit dem benutzten Messer, wenn ein Teller kurzfristig nicht als Ablage zur Verfügung steht?" Leas Vorschlag, das Messer in der Serviette abzustreifen, fand nicht Nolopps Zustimmung. Auch auf dem Brot soll das Werkzeug nicht deponiert werden. "Ablecken" kommt schon gar nicht in Frage. Leo kannte die Lösung: Das benutzte Messer gehört auf ein Messerbänkchen. Dass kaum ein Kind, ein solches Utensil identifizieren konnte, darf nicht verwundern, ist das Bänkchen doch vornehmlich in exklusiven Restaurants zu finden. Wohl selten steht ein Messerbänkchen beim beliebten "Griechen um die Ecke" auf dem Tisch. Dass so manches "Benimm"-Detail in der Erfahrungswelt des Durchschnittsbürgers seine Grenzen findet, lernten die Kinder gleich mit. Bei Grundsätzlichem kannte Monika Nolopp kein Pardon. "Haltung annehmen, bitte!" kommandierte die Benimm-Expertin. Sofort richteten sich 14 Rücken gerade auf. Gefragt war allerdings eine organisch-gesunde Aufrichtung, keine militärisch-verspannte. Nolopp ("Ich komm jetzt mal rum") kontrollierte vor allem die Handhaltung. Weder wollte die Erzieherin Ellenbogen noch komplette Unterarme am Teller sehen. Nolopp: "Maximal die Handgelenke gehören auf den Tisch." Im "Anti-Blamierprogramm" wie die VHS-Lehrerin ihren Kurs untertitelt hatte, mussten sich die Mädchen und Jungen über Stunden hinweg konzentrieren. Dies hielt die junge Gesellschaft nicht von Albereien ab. Jana (9) fand sogar, das Beste am Kurs sei, "dass wir die ganze Zeit gelacht haben". Dennoch war unschwer zu erkennen, dass im VHS-Kurs durchweg Kinder saßen, die bereits von Haus aus eine gute Portion "Benimm" mitbrachten. Die Erfahrung hat Nolopp bereits in mehreren Knigge-Kursen für Kinder gemacht: "Die, die es nötig haben, kommen leider nicht."

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