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Pur begeistern in ausverkaufter AWD-Hall / Auch akustisch eine Klasse für sich

„Haben uns wieder mal an euch betrunken“

Ein mittelschweres Gewitter zieht auf, aus den Boxen hört man Regen prasseln – ein Wetter, bei dem man lieber in der kuschligen Wohnstube hocken möchte. Unter gelben Regenschirmen mit blitzenden Taschenlampen bahnen sich sieben Musiker den Weg durch das Publikum – 4000 Fans begleiten die erfolgreichsten drei Buchstaben der deutschen Musikgeschichte auf die Bühne – Pur genießt sichtlich den Triumphzug durch die restlos ausverkaufte AWD-Hall.

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Pur, seit 30 Jahren auf Tour, pure Glückseligkeit überall da wo sie auftreten. Fast bescheiden feiern sie ihr 30-jähriges Bandjubiläum – statt in großen Arenen, zieht es die Schwaben in mittelgroße Hallen.

Dort präsentiert man sich musikalisch fast nackt – akustisch, nur mit Stimme und Instrumenten, ohne E-Gitarren und Synthesizer. Engler nimmt Platz auf einem Hocker – das erste Mal, wie er ausdrücklich betont. Doch lange hält es ihn nicht auf seinem für ihn ungewohnten Platz. Immer wieder unternimmt der Frontmann Streifzüge durch das Publikum, schüttelt Hände und holt sogar einen Fan auf die Bühne.

Die Songs sind neu arrangiert, klingen aber auch im akustischen Gewand frisch und straight – „Freunde“ klingt bluesig, „Kowalski“ swingt, bei „Ich lieb dich“ rockt es sogar ansatzweise.

Locker vom Hocker sang Hartmut Engler „Freunde“.
  • Locker vom Hocker sang Hartmut Engler „Freunde“.
Mit „Schirm, Charme und guter Musik“ begeisterte Pur 4000 Fans in der AWD-Hall.
  • Mit „Schirm, Charme und guter Musik“ begeisterte Pur 4000 Fans in der AWD-Hall.

Hartmut Engler stimmt „Frau Schneider“ an, ein Stück, in dem der Frontmann die Geschichte einer an Demenz erkrankten alten Dame erzählt, mit der er sich ab und an eine Partie Halma gönnt.

Schon immer waren Englers Texte anspruchsvoll, direkt, ehrlich und aus dem Leben gegriffen. Es geht um Liebe, Leid, Gesundheit und das Altern. In vielen Songs hat Engler eigene Probleme verarbeitet – unter anderem bei dem Lied „Gesund“, in dem er seine überstandene depressive Phase beschreibt.

Die Pur’sche Hitfabrik läuft auf Hochtouren – Songs wie „Seiltänzertraum“, „Mittendrin“, „Abenteuerland“ oder „Indianer“ werden lautstark vom Publikum mitgesungen - Puristen sind halt textsicher.

„Lena, du hast es oft nicht leicht – wie weit die Kraft doch reicht“ – die Fans horchen auf und bekommen „Funkelperlenaugen“ und viele denken da an unsere „Eurovison-Lena“, die am 14. April in Hannover ihr Heimspiel hat.

Ob in großen Stadien oder unplugged – Pur live ist immer noch großes Kino – eine „Oscar“-verdächtige Show, die einen musikalisch „betrunken“ macht. Auch wenn sich bereits das eine oder andere „graue Haar“ bei den Bandmitgliedern zeigt, vom musikalischen Vorruhestand sind die sieben Bietigheimer noch weit entfernt.

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