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Gutschein-Besitzer gucken in die Röhre

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Hameln (ni). Anfang Juli hat Wolfgang Dobschinski von seinen Nachbarn einen Gutschein über 70 Euro für ein Essen im Klütturm Restaurant geschenkt bekommen. Die Freude darüber hielt nicht lange an. Dobschinski hätte sich sputen müssen, um im Tausch gegen seinen Gutschein tatsächlich ein gediegenes Menü mit schöner Aussicht genießen zu können. Denn Mitte Juni war es dafür schon zu spät. Die Betreibergesellschaft des Restaurants hatte beim Amtsgericht Hameln einen Insolvenzantrag gestellt, und damit wurde Dobschinski unversehens zum Gläubiger. Wäre er ins Restaurant gegangen, das unter der Regie des vorläufigen Insolvenzverwalters Alexander Käsebier zunächst noch weiter betrieben wurde, hätte sich ein Essen bestellt und das nachher mit dem Gutschein bezahlen wollen – Dobschinski wäre damit nicht durchgekommen – sondern hätte wohl oder übel seine Brieftasche zücken müssen.
  „Wusste man in Restaurant Anfang Juli etwa noch nicht, dass der Gang zum Insolvenzgericht unmittelbar bevorstand?“ Dobschinski kann das kaum glauben, allerdings auch nicht nachweisen, dass es so gewesen ist.
 Rechtsanwalt Alexander Kaesebier will keinem der damaligen Mitarbeiter des Hauses etwas Unrechtes unterstellen. Wahrscheinlicher sei, dass keiner der Angestellten einen Überblick darüber hatte, wie schlimm es um das Restaurant tatsächlich bestellt war. Dass Wolfgang Dobschinski wegen des wertlos gewordenen Geschenks verärgert ist, versteht Kaesebier zwar durchaus, doch „die Rechtslage ist nun mal so“. Nämlich dass mit dem Tag, an dem ein Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt hat, der vorläufige Insolvenzverwalter die Hand auf dem Geld hat und keinen Cent rausgibt. Nicht an Lieferanten, die auf die Begleichung offener Rechnungen warten, und eben auch nicht – in Form eines Essens – an die Besitzer von Gutscheinen. Die Tatsache, dass der Betrieb des Unternehmens zunächst weiterläuft, ändert daran nichts.
 Dem vorläufigen Insolvenzverwalter ist es nicht gelungen, das Restaurant zu retten, weshalb das Amtsgericht am 1. Oktober das Insolvenzverfahren gegen „Klütturm Restaurant Hotelbetriebs- und Handels-GmbH“ eröffnet hat. Dobschinskis Gutschein über 70 Euro ist jetzt nicht mehr das Papier wert, auf dem er gedruckt wurde. Der Hamelner – und alle anderen, die vielleicht auch noch so ein nicht eingelöstes „Geschenk“ in den Händen halten – kann sich damit zwar in die Liste der Gläubiger einreihen. Dass er jemals Geld sieht, ist laut Kaesebier allerdings „sehr unwahrscheinlich“.

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