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Kritik an mangelndem Wettbewerb / Regionale Versorger reagieren sehr zurückhaltend

Gutachten bewertet Gaspreise als zu hoch

Berlin/Hameln (ap/fh). Die Verbraucher in Deutschland müssen laut einer Studie zuviel für Gas bezahlen. Ein Gutachten der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes ergab, dass die Gasanbieter nur rund die Hälfte der nach dem Fall der Ölpreise möglichen Senkungen an die Kunden weitergeben. Der Gaspreis ist an den Ölpreis gekoppelt und folgt diesem mit etwa sechsmonatiger Verzögerung.

Der Gaspreis sinkt – doch in ausreichendem Maße? Ein Gutac

Nach der Studie, die die Grünen in Auftrag gegeben hatten, ergeben sich für einen privaten Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden ungerechtfertigte Mehrkosten in Höhe von 150 Euro in diesem Jahr. „Es gibt keinen Wettbewerbsdruck“, sagte gestern der Energieexperte der Hochschule, Uwe Leprich. „Die Versorger haben nicht die Befürchtung, dass ihnen Kunden weglaufen.“

Für das zweite Quartal 2009 hätten die Versorger einen durchschnittlichen Preisnachlass von zwölf Prozent im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres angekündigt. Das entspreche aber nur der Hälfte des sich rechnerisch aus den derzeitigen Marktentwicklungen ergebenden Potenzials für Preissenkungen. Für die Gasversorger bedeutet dies der Studie zufolge allein im ersten Halbjahr 2009 einen Mehrerlös von einigen Hundert Millionen Euro.

Die regionalen Versorger reagieren zurückhaltend auf die Studie. Die Stadtwerke Hameln wollten die bundesweite Situation nicht beurteilen. Geschäftsführerin Susanne Treptow betonte jedoch, dass die Stadtwerke zum Jahreswechsel auf eine Preiserhöhung um sechs Prozent verzichtet hatten und nun zum 1. Mai ihre Preise um zehn Prozent senken. Dies müsse bei einem Vergleich berücksichtigt werden. Und schließlich, so erklärte Treptow gegenüber unserer Zeitung: „Eine weitere Senkung ist vorgesehen. Höhe und Zeitpunkt stehen noch nicht fest.“ Ähnlich argumentierte Geschäftsführer Dieter Boldt für die Stadtwerke Bad Pyrmont: „Wir liegen mit unseren Preissenkungen weit über dem Durchschnitt. Eine weitere Senkung ist zur Jahresmitte oder zum 1. Oktober denkbar, wenn der Ölpreis sich weiter so entwickelt. Sicherlich aber nicht in der Größenordnung von 15 Prozent. Diese Forderung wurde sicherlich vor dem Hintergrund geringerer vorausgegangener Senkungen erhoben.“ Und e.on Westfalen Weser verweist darauf, in diesem Jahr zwei Mal die Gaspreise für Privatkunden gesenkt zu haben: Um vier Prozent zum 1. Februar und um 19 Prozent zum 1. April.

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