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Not macht erfinderisch: Glißmann-Ausstellung über die Nachkriegszeit im Stadthäger Museum Amtspforte eröffnet

Gürtel aus Telefonkabeln, Schulhefte aus Packpapier

Stadthagen (han). "Zeiten der Not und der Hoffnung" ist eine Schau im Museum Amtspforte Stadthagen betitelt. Nach den Worten der Veranstalter ist es die erste Ausstellung in Stadthagen, die sich mit der schweren, pro blembeladenen Nachkriegszeit auseinandersetzt. Der aus Bückeburg stammende Kunsthistoriker Oliver Glißmann konzipierte die Sonderausstellung im Auftrag der Stadt Stadthagen.

Glißmann hat zwei Jahre lang an der Konzeption der Schau gearbeitet. Der Fachmann recherchierte im Stadthäger Stadtarchiv und sprach mit Zeitzeugen, darunter sowohl ehemalige Flüchtlinge als auch Einheimische. Mit tatkräftiger Unterstützung einiger Stadthäger Bürger trug er zahlreiche Exponate und Leihgaben zusammen. "In dieser entbehrungsreichen Zeit gab es in der Bevölkerung einen starken Zusammenhalt", erzählt er. Von manchen Bürgern seien die Flüchtlinge ausgegrenzt worden. Andererseits seien auch sehr enge Freundschaften zwischen Einheimischen und Vertriebenen entstanden. "Es mangelte an allem Nötigen, vor allem an Kleidung", sagt Glißmann. Die Ausstellungsstücke machen die Probleme der damaligen Zeit nachvollziehbar. Gezeigt werden in Eigenarbeit hergestellte Kleidungsstücke, mehrfach gestopfte Handschuhe, Schuhe mit Holzsohlen sowie Strümpfe, die aus den Fäden von Zuckersäcken gestrickt wurden. Ein selbstgemachter Gürtel aus Telefonkabeln und aus Packpapier zusammengeklebte Schulhefte zeugen nicht nur von den Nöten, sondern auch von der Erfindungsgabe der Menschen. Not macht augenscheinlich erfinderisch. Einige Objekte stammen aus zwei Stadthäger Tauschzentralen, mit denen man damals dem Schwarzhandel den Wind aus den Segeln nehmen wollte. Auch ein amerikanisches "Care-Paket", alte Milchpulver-Dosen, Flüchtlingsausweise und "Reichsfettkarten" zum Erwerb von Lebensmitteln haben Glißmann und seine Helfer zusammengetragen. Die Schau läuft bis zum 19. April. Das Museum im Hause Obernstraße 32 a ist dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr, sowie Sonnabends und Sonntags von 15 bis 17 geöffnet.

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