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Brechts "Arturo Ui" im Kurtheater

Grundton des Grauens

Bad Nenndorf (dis). Der "Theaterkreis im KulturForum" hat zum Saisonabschluss nach Bertold Brechts Gleichnissatire "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" gegriffen und für dessen Umsetzung ein 14-köpfiges Ensemble der Landesbühne Sachsen-Anhalt aus Eisleben ins Kurtheater verpflichtet.

In der 1940 im finnischen Exil entstandenen Politfarce zeigt Brecht den Naziführer als Alcapone-Verschnitt, der zunächst an Großkapitalfäden baumelt. Exemplifiziert wird das Lehrstück über die Machtergreifung Hitlers im Milieu von Chigaco an den Widrigkeiten eines Grünzeugtrusts, der sich Arturo Uis Bande zu Hilfe holt, um eine drohende Pleite abzuwenden. "Was soll uns die Kostümierung des Grauens als bitterböse Gaunerposse, da wir die wahre Offenbarung erlebten?" fragte ein Rezensent der Uraufführung 1958. Regisseurin Martina Bode gab darauf leider keine Antwort. Bode, deren Ausstatter Peer Palmowski und das gesamte Darsteller-Team bemühten sich jedoch sehr, die Struktur eines verbrecherischen Regimes bildhaft zu enthüllen und das Psychogramm eines skrupellosen, gleichzeitig aber verklemmten Kleinbürgers zu zeichnen. Die Inszenatorin baute ihre Einstudierungüber der Hauptfigur des Ui auf. Hardy Halama verkörperte einen korrupten Widerling, man mochte ihn Ui oder Hitler nennen. Gekrümmt und geistesabwesend saß er da, eine hilflose Kreatur, schmierig lauernd. Die Feder des Bösen, der Gemeinheit, spannte sich in ihm. Dann schnellte er auf und das Verhängnis rollte. Um Halamas Ui bewegte sich eine zugleich streng und locker agierende Crew, unter anderem der protzige, gewissenlose Politclown Giri-Göring (Claudia Lüftenegger), der greise Dogsborough-Hindenburg (Rainer Kunze), das großschnäuzige Hinkebein Givola-Goebbels (Alexander Abramyan) und der fleißige Pianist Sebastian Undisz. Zum Schluss spendeten Schüler und Erwachsene freundlichen, durch eine geschickte Verbeugungschoreografie verlängerten Applaus.

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