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Förderkreis Rinteln-Stadthagener-Eisenbahn gegründet / Erstes Ziel: Rückbau verhindern / "Wir werden kämpfen"

Grüne Signale: "Der Zug ist noch nicht abgefahren"

Obernkirchen (jaj). Die Augen des fünfjährigen Max strahlen, während er dem Zugführer bei seiner Arbeit zuschaut. "Wofür ist dieser Knopf? Und wann benutzt man den Hebel?" Der junge Obernkirchener kommt aus dem Fragen gar nicht mehr heraus. Immer wieder entdeckt er etwas Neues in dem 1956 gebauten Zug. Und er hat Erfolg: Alle seine Fragen werden geduldig von Zugführer Thomas Rieming und Triebfahrzeugführer Wolfgang Zempel beantwortet. Beide gehören zur Interessengemeinschaft Schienenbus Seelze, die ihren Zug für die Fahrt von Obernkirchen nach Bad Eilsen zur Verfügung gestellt hat, und beide wissen genau über die alte Lok Bescheid.

Michael Frömming

Um die Eisenbahnstrecke auch in Zukunft für den Personenverkehr zu erhalten, und so noch vielen Kindern und Erwachsenen diese Erfahrung zu ermöglichen, wurde während der Fahrt der "Förderkreis Rinteln-Stadthagener-Eisenbahn" gegründet. "Mit diesem Förderkreis wollen wir lokal-politisch zeigen, dass wir die Strecke erhalten wollen", erklärt Michael Frömming, Niedersachsens Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschlands, und einer der Initiatoren des Förderkreises. "Es gibt Potenzial, sonst wäre ich gar nicht hier", verdeutlicht er seine Überzeugung. In den letzten acht Jahren habe der Personen-Nahverkehr um 50 Prozent zugenommen, so Frömming. Auch die Strecke der S-Bahn nach Hannover habe diesen Zuwachs erfahren. "Und wir liegen auch in dem Einzugsbereich Hannover", weiß Thomas Stübke, einer der Obernkirchener Kämpfer für die Eisenbahn. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Benzinpreise immer mehr steigen würden und das Umweltbewusstsein der Bevölkerung zunehme, sei eine Eisenbahnstrecke, die die Schaumburger Städte verbindet, sehr gefragt und nützlich, so Stübke weiter. Das erste Ziel des Förderkreises ist es, zu erreichen, dass der Rückbau der Schienen verhindert und die Strecke so erhalten bleibt, wie sie ist. Das zweite Ziel ist dann die Einrichtung eines Personen-Nahverkehrs, der die Städte Rinteln und Stadthagen verbindet. Den Bedarf an solch einer Strecke begründet Stübke unter anderem mit der starken Nutzung der Buslinie 2006, die zwischen Rinteln und Stadthagen verläuft. Sie sei die meist genutzte im ganzen Landkreis. "Und wenn jetzt noch an der Eisenbahnstrecke das neue Krankenhaus gebaut wird, steigt der Bedarf an einem schnellen Transportmittel noch", ist Stübke überzeugt. Auchüber die Finanzierung der Strecke hat sich Michael Frömming bereits intensive Gedanken gemacht. Das Land müsste in die Strecke investieren, aber das sieht Frömming eigentlich nicht als Problem an: "Es werden zur Zeit 200 neue Autobahnkilometer in Niedersachsen geplant. Schon für den Preis eines einzelnen solchen Kilometers kann man die ganze Eisenbahnstrecke instand setzen." Sollte die Strecke dann betriebsbereit sein, müsste man in einer Ausschreibung den Betreiber finden. Und Frömming ist sich sicher, dass es sogar mehrere Interessenten gebe, sodass man dann aus dem besten Angebot auswählen könne. Doch noch ist das Zukunftsmusik. "Wir müssen nun positive Signale an die Politik senden, und die Diskussion um die Bahnstrecke erneut in Gang schieben," erklärt Frömming. Positive Beispiele aus anderen Bundesländern gebe es genug. In Rheinland-Pfalz und in Schleswig-Holstein seien alte Strecken für den Nahverkehr reaktiviert worden, und die Zahl der Fahrgäste sei dort sogar noch höher als zuvor kalkuliert. Diese Beispiele müsse man bekannt machen - und dann als Vorbild für die hiesige Strecke nehmen. Ein erster Schritt zum Erhalt der Strecke wurde nun mit der Gründung des Förderkreises getan. Von dem Interesse der Fahrgäste am Sonnabend war Stübke begeistert. Viele haben sich in die ausgelegten Listen eingetragen und so ihr Interesse am Erhalt der Strecke bekundet. "Wir werden für diese Strecke kämpfen, und auch die Politiker werden uns hören", sagt Frömming. Und er ist sich sicher: "Der Zug ist noch nicht abgefahren. Das Signal steht noch auf grün!"

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