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Gewerbsmäßiger Betrug: Falsche Polizisten gehen in den Bau

HILDESHEIM/BAD MÜNDER. Ihre Masche: den Respekt vor der Polizei und die Gutgläubigkeit älterer Menschen ausnutzen. Zwei Brüder mussten sich jetzt vor dem Landgericht Hildesheim verantworten, weil sie Seniorinnen um rund 57 400 Euro betrogen haben – in zwei Fällen wurden Münderanerinnen ihre Opfer.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Die 9. Großen Strafkammer verhängte hohe Freiheitsstrafen. Der 34-jährige Zaradsht H. muss wegen gewerbsmäßigen Betrugs für fünf Jahre und drei Monate in Haft, sein sechs Jahre jüngerer Bruder Rehat H. geht für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Rainer de Lippe sah es als erwiesen an, dass sich das Brüderpaar gemeinsam in drei Fällen mit hoher krimineller Energie in den Besitz der Ersparnisse von Seniorinnen brachte, in weiteren Fällen lautete der Vorwurf versuchter Betrug – auch, weil die Täter bei einer von der Polizei inszenierten Übergabe festgenommen wurden.

In Bad Münder waren die Brüder Ende Juni letzten Jahres aktiv. Sie stellten sich am Telefon so überzeugend als Kriminalbeamte vor, die einer Diebesbande das Handwerk legen wollen, dass zunächst eine 78-Jährige ihren Anweisungen folgte und 11 800 Euro in einer Tasche vor ihrer Haustür ablegte. Nur einen Tag später wurde eine 89-jährige Münderanerin hereingelegt – wieder mit der gleichen Masche. Ein falscher Polizeibeamter erläuterte ihr am Telefon, dass die Polizei mit ihrer Hilfe einer Einbrecherbande das Handwerk legen könne. Er erklärte ihr sogar, wie sie sich in der Bank gegenüber Angestellten verhalten sollte, wenn sie wegen der Abhebung angesprochen werde. Sie folgte seiner Anweisung und legte einen Stoffbeutel mit einer größeren Summe Bargeld vor ihrer Haustür ab. 12 000 Euro waren darin – und die alte Dame glaubte, dass versteckt auf der Lauer liegende Polizisten ihr Geld im Blick haben würden. Als sie später nachsah, war das Ersparte weg.

Festgenommen wurden die Brüder, weil Anfang Juli in Gifhorn eine Bankmitarbeiterin Verdacht schöpfte und einer fast 90-jährigen Kundin nicht die gewünschten 10 000 Euro in bar aushändigte, sondern die Polizei informierte. Die nahm Zaradsht und Rehat H. fest, als sie das erwartete Geld an sich bringen wollten.

Der Vorsitzende machte in seiner Urteilsbegründung deutlich, dass für das Strafmaß auch die hohe kriminelle Energie und die Rückfallgeschwindigkeit gerade des älteren Angeklagten berücksichtigt wurden. Zaradsht H. war drei Monate vor der ersten ihm zur Last gelegten Tat aus dem Gefängnis entlassen worden. Dort hatte er zehn Jahre wegen Raubes eingesessen. Sein jüngerer Bruder erhielt trotz einer weiteren Tat, für die er alleine zur Verantwortung gezogen wurde, eine geringere Strafe – er hatte ein Teilgeständnis abgelegt.

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