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Awo-Gesellschaft plant „strategische Partnerschaft“ / Mitarbeiter in Deister-Süntel-Klinik informiert

Gesundheitsdienste suchen starken Partner

Bad Münder (jhr). Der deutsche Krankenhausmarkt ist in Bewegung, gerade für kleinere Häuser wird die wirtschaftliche Situation nicht einfacher. Am Deisterhang geht die Sorge um den Erhalt der Deister-Süntel-Klinik um – so sehr, dass jetzt sogar zu einer Betriebsversammlung geladen wurde. Die Botschaft: Das Krankenhaus soll nicht verkauft werden. Aber: Die Awo Gesundheitsdienste (GSD) als Betreiber wollen eine strategische Partnerschaft eingehen, um sich dauerhaft dem Kostendruck im Gesundheitswesen stellen zu können.

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„Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Gedanken, wie wir die Herausforderungen des Gesundheitsmarktes in der Zukunft bewältigen können. Es kommt zu immer mehr Konzentrationen“, sagt Volker Behncke, Geschäftsführer der Awo GSD. Die Erwartung der Gesellschaft: Zukünftig werden „Selektivverträge“ eine immer größere Rolle spielen, jene Verträge, in denen sich Krankenkassen und Leistungserbringer wie Krankenhäuser auf eine Vergütung verständigen. „Man muss also einen Partner finden, der Leistungspakete einkauft, an denen man selbst partizipieren kann. Einen solchen strategischen Partner, der in unser Portfolio reinpasst, suchen wir für die GSD insgesamt, nicht nur für die Deister-Süntel-Klinik“, macht Behncke deutlich.

Schwerpunkte der GSD-Einrichtungen liegen in den Bereichen Nephrologie mit Dialysen und Nierentransplantationen, Urologie, Palliativmedizin und Rehabilitation. „Es wird so kommen, dass man unter dem Stichwort ,integrierte Versorgung‘ einen Leistungspaketpreis haben wird. Und das in einer größer dimensionierten Landschaft, als wir sie derzeit haben, darzustellen – das wird die Herausforderung der kommenden fünf Jahre sein“, glaubt der Geschäftsführer.

Weiterer Aspekt der Partnersuche: Um erfolgreich am Markt zu bleiben und notwendige Investitionen tätigen zu können, werde „frisches Kapital“ benötigt. Auch das erhoffen sich die GSD von ihrem neuen Partner.

Für die Suche hat sich die Gesellschaft zunächst ein Zeitfenster von einem Jahr geöffnet. Und Behncke macht deutlich, dass dies keineswegs aus einer Notsituation heraus geschehe: „Die GSD steht hervorragend da. Wir haben im Jahr 2011 ein ordentliches schwarzes Ergebnis gefahren und werden das auch im Jahr 2012 tun“, erklärt er. Seine Zusammenfassung: „Wir sind ganz gut aufgestellt, müssen uns aber für die weitere Zukunft wappnen“.

Anlass für die Sorge vieler Awo-Mitarbeiter am Deisterhang waren Nachrichten zur wirtschaftlichen Situation des Awo-Bezirksverbandes Hannover. Die GSD sind eine Tochter des Bezirksverbandes, Verbindungen geschäftlicher Art wie beispielsweise Gewinnabführungsverträge bestehen nach Angaben Behnckes jedoch nicht. Die finanziellen Probleme der Awo betreffen einen gesonderten Bereich, der sich in einem Sanierungsprozess befinde.

Welches Gewicht der Partner in einer neuen Beziehung haben soll, steht noch nicht fest: „Es ist nicht geplant, dass die GSD die Mehrheit abgeben. Erst mal nicht“, sagt Behncke.

„Die Awo geht ans Tafelsilber“, glaubt hingegen die Konzernbetriebsratsvorsitzende Ute Gieseke. Die Betriebsversammlung wertet sie dennoch als Erfolg – gemeinsam mit der Geschäftsführung sei es gelungen, durch klare Informationen die in den vergangenen Wochen gewachsene Besorgnis vieler Mitarbeiter zu zerstreuen. „Die Geschäftsführung bemüht sich, eng mit der Arbeitnehmervertretung zusammenzuarbeiten“, stellt sie heraus.

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