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Wie aus dem Klinikum Springe binnen einer Viertelstunde eine Notfallambulanz wird

Gesund geschrumpft?

Springe. Zwischen Ende und Anfang liegen heute genau 15 Minuten. So lange dauert es, bis die letzten beiden Patienten des Springer Krankenhauses mit zwei Rettungswagen ins Klinikum Gehrden gebracht werden. Und die Notfallambulanz ihre Arbeit offiziell aufnimmt. Ein Ortstermin zwischen Ende und Anfang.

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Matratze, Bettdecke und Kopfkissen sind noch unter transparenter Kunststofffolie versteckt. Neuware für die neuen Patienten der neuen Notfallambulanz in den Räumen des alten Springer Krankenhauses. „Wir sind bereit“, sagt Ambulanz-Leiterin Ulla Bengsten. Und erläutert, dass man mit einem Internisten, sechs Betten, dem Labor und Röntgengerät auf Notfälle vorbereitet sei. Auch Krankenwagen könnten die Notfallambulanz ab sofort ansteuern.

Zehn vor neun Uhr im Foyer des Klinikums: An den Glasscheiben des Empfangsschalters hängt ein Zettel auf dem steht, dass der Empfangsschalter nicht besetzt ist. Auf der noch verbleibenden Station des Krankenhauses tun zwei Mitarbeiter ihren Dienst. Noch. Sie versorgen die beiden verbliebenen Patienten. Woran genau sie erkrankt sind, verrät Stefan Schröer, kaufmännischer Leiter des virtuellen Klinikums West, nicht. Es handele sich dabei um „internistische Krankheiten“ – und in Gehrden sollen beide auf Station 16 gebracht werden, zur weiteren Beobachtung. „Sie wussten Bescheid über die anstehende Verlegung – und waren damit auch einverstanden“, versichert Dr. Frank Matisake, noch leitender Oberarzt der Kardiologie in Springe und bald Oberarzt in Gehrden.

Um fünf vor neun Uhr stellt sich eine Frau mit einem großen Pappschild in den Flur. „Finger weg von unserem Krankenhaus“, steht darauf. Elisabeth Pfeiffer (82) stellt das Schild auf einen Stuhl und spricht den Mann an, der in der Nähe steht. „Ich habe gegen das Klinik-Aus demonstriert. Ich kann an das Ende gar nicht so recht glauben“, sagt sie sichtlich bewegt. Der Angesprochene stellt sich als Holger Dorl von der Stabstelle der Klinikum Region Hannover (KRH) vor. Und wirbt bei Pfeiffer um Verständnis: „Wir müssen unsere Kompetenzen bündeln.“

Neun Uhr. Der erste Rettungswagen mit einem Patienten an Bord hat das Krankenhaus bereits Richtung Gehrden verlassen. Den Transport haben Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes übernommen. In dem Fahrzeug mitzufahren, sei keine sonderlich gute Idee, findet Schröer. Auch ein Gespräch mit dem letzten verbleibenden Patienten des Klinikums Springe sei nicht möglich.

Im Flur vor der künftigen Notfallambulanz unterhält sich Pfeiffer derweil angeregt mit Dorl. Sie erklärt ihm, wie eng ihre Familiengeschichte mit der Geschichte des Springer Klinikums verbunden ist. „Mein Neffe ist hier geboren, mein Mann ist hier gestorben und ich selbst habe hier lange als Angestellte gearbeitet, meine Tochter hat hier sogar den Beruf der Krankenschwester gelernt.“ Dorl hört sich ihre Geschichte an. Nickt manchmal. Schroer verspricht indes im Aufnahmezimmer der Notfallambulanz eine „medizinische Versorgung für jeden Notfall“ – und führt durch die neuen, alten Zimmer. Überall herrscht rege Betriebsamkeit. Im Röntgenraum etwa wartet eine Patientin, die in der benachbarten Praxis Neiseke in Behandlung ist darauf, dass sie an die Reihe kommt.

Neun Uhr: Schroer kommt im Foyer des Gebäudes an. Auf der anderen Seite der Glastüren steht ein Krankenwagen, DRK-Region Hannover, 5. Einsatzzug Springe. Im Fahrzeug liegt der letzte Patient des Klinikums – und der Fahrer beschleunigt den Wagen langsam. Die Ära des Springer Krankenhauses ist damit endgültig vorbei.

Draußen, auf der Straße, die zur Notfallambulanz führt, steht Elisabeth Pfeiffer. Und sie kann noch immer nicht fassen, was da gerade passiert ist: „Ich verstehe nicht, dass hier sonst niemand ist, der sagt, dass er gegen die Schließung ist. Wir sind doch viele Leute hier.“

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