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Kandidatin der SPD für das Amt des Bundespräsidenten diskutiert mit Stadthäger Gymnasiasten

Gesine Schwan: "Wenn Ihr keine Regeln hättet ..."

Stadthagen (kcg). Über demokratische Grundwerte im Allgemeinen und die aktuelle Situation in der hessischen SPD im Besonderen hat Gesine Schwan mit Stadthäger Gymnasiasten diskutiert. Die Kandidatin der SPD für das Amt des Bundespräsidenten war auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy in die Kreisstadt gekommen.

Das Scheitern von Andrea Ypsilanti in Hessen stand im Mittelpunk

Rund 60 Jugendliche vom Wilhelm-Busch-Gymnasium, dem Ratsgymnasium und der IGS Schaumburg waren in den Stadthäger Ratskeller gekommen, um mit der Politikwissenschaftlerin unter dem Motto "Schüler fragen Gesine Schwan" zu diskutieren. Zunächst war es jedoch Schwan, die die Veranstaltung mit einer "Testfrage" einläutete. "Wenn ihr in der Schule keine Regeln hättet, würdet ihr euch gegenseitig den Kopfabreißen, weil alles drunter und drüber geht? Oder würdet ihr gemeinsam Regeln erarbeiten, um miteinander klarzukommen?" Anhand der Antworten der Jugendlichen - die Mehrheit war der Ansicht, eigene Regeln aufzustellen - erläuterte die Wissenschaftlerin ihr Demokratieverständnis und legte den Oberstufenschülern dar, dass die Kompromissfähigkeit in einer Gesellschaft mit vielen unterschiedlichen Interessen wichtige Voraussetzung des demokratischen Systems sei. Selbstbewusst und ohne Berührungsängste diskutierten die Gymnasiasten mit Schwan über den Zusammenhang zwischen gegenseitiger Anerkennung als Grundpfeiler der Demokratie und der fortschreitenden Vereinzelung der Menschen in der Gesellschaft. In den Mittelpunkt ihres Interesses stellten die Jugendlichen jedoch die aktuelle Situation der hessischen SPD und das Scheitern von Andrea Ypsilanti. So betonte Schwan auf Anfrage einer Schülerin, inwiefern die Weigerung vier hessischer SPD-Mitglieder, Ypsilanti zur Ministerpräsidentin zu wählen, als demokratisch einzuschätzen sei, dass in einer Demokratie jeder die Möglichkeit habe, offen seine Meinung zu sagen. Gelinge es Gruppen und Parteien mit konträren Meinungen allerdings nicht, konstruktiv zusammenzuarbeiten, entspräche das keiner gelungenen Demokratie. "In Hessen braucht es da noch Lerneffekte", so Schwan. Auf die Frage, wie sie sich den großen Zulauf für die Linke erkläre, argumentierte die Politikwissenschaftlerin, dass angesichts von Arbeitslosigkeit, globalisierter Wirtschaft und dem demografischen Wandel viele Menschen ihre Unzufriedenheit durch die Wahl der Linken ausdrücken würden. Beeindruckt von den Fragen und Diskussionsbeiträgen der Schüler verabschiedete sich Schwan schließlich mit einem Lob für die Jugendlichen: "Ihr seid ja klasse."

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