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Barbara Kruhöffer sammelt Ostereier und stellt sie ab heute im Museum aus

"Geschlossen wie ein Sarg, aber esöffnet sich für das Lebendige"

Rinteln. "Ich sammle nicht Eier - ich sammle Oster-Eier!" sagt die Pfarrfrau Barbara Kruhöffer (62) aus Loccum. Tausend wundersam geschmückte Exemplare sind ab heute im Museum Eulenburg zu sehen, Eier, die entstanden als Teil einer überwiegend osteuropäischen Volkskunst und die nicht irgendeine Spielerei darstellen, sondern christliches Symbol sind für die Auferstehung vom Tode.

Barbara Kruhöffer

Autor:

Cornelia Kurth

Unzählige Vorträge zum Thema hat Barbara Kruhöffer schon gehalten, in den jeweiligen Gemeinden ihres Mannes unzählige Kurse rund um die Verzierung von Eiern gegeben, und an vielen Orten ihre Ausstellungen aufgebaut. "Passion und Ostern, das Leiden und die Auferstehung - das ist mein großes Thema", erklärt die Sammlerin. "Das Osterei verkörpert die Hoffnung auf das Leben, es ist geschlossen wie ein Sarg, aber es öffnet sich für das Lebendige." Dieses "große Thema" war zu Beginn einfach eine kindliche Faszination für die schönen Ostereier, die sich in der eigenen Familie angesammelt hatten, und es war die Freude daran, selbst Eier zu bemalen. Als 15-jährige hatte sie sich auch all die alten Schmucktechniken angeeignet, das Batiken, Kratzen, Ätzen, und als sie dann im Berliner Volkskundemuseum eine riesige Ostereiersammlung bestaunte, da "wurde ich von der Lust zum Sammeln infiziert". Verstärkt wurde ihre Leidenschaft auch dadurch, dass sie, nach einem Studium der Theologie, Germanistik und Volkskunst, einen Pastor heiratete und damit nicht Familienmutter wurde, sondern auch eine engagierte Pfarrfrau, die in der Gemeinde viele Aufgaben übernahm und oft die Gelegenheit nutzte, die Osterei-Schmucktechniken weiterzugeben. Dazu brauchte sie natürlich Anschauungsmaterial. Und so führten ihre Reiserouten oft durch polnische und tschechische Dörfer, wo in Familienbetrieben Ostereier nach überkommender Art bemalt wurden; sie spürte Hinweisen in Zeitungen und Broschüren nach, wenn dadurch die Hoffnung bestand, schöne Eier zu finden. Früher tauschte sie sorbische Eier aus der Ex-DDR gegen Kaffeepakete und einmal bekam sie eine große Sammlung geschenkt. Damit entwickelte sie sich zur echten Kennerin der jahrhundertealten Volkskunst. Nach und nach aber, mit demÄlterwerden und der schrecklich schmerzlichen Erfahrung von Krankheit und Tod in der Familie, berührte sie die Symbolik des Ostereis immer mehr auf einer tiefen, seelischen Ebene, dieses Versprechen, dass Tod und Erstarrung nicht das Ende von allem sind. "Es ist kein Wunder, dass Ostern das erstegroße christliche Fest war", sagt sie: Jesus Christus, der leidet, wie die Menschen leiden und der, überraschend sogar für die eigenen Jünger, am Ostersonntag aufersteht. Und weil es das frohe Ostern nicht ohne die Leidensgeschichte gibt, sammelt Barbara Kruhöffer auch Holzfiguren, die auf typische Weise Stationen von Christus' Leidensweg ausdrücken. Allein 30 Figuren des "bekümmerten Jesu" sind in ihrem Besitz. Eine andere typische Figur zeigt Maria, wie sie weinend das Kreuz mit ihrem Sohn umklammert hält. "Dieser Umbruch fasziniert mich so sehr", sagt sie, "der Umbruch vom Leiden zur Osterfreude." Und deshalb ist auch eines klar: Niemals würde sie geschmückte Eier aufhängen, bevor die richtige Zeit dafür gekommen ist. Frühestens am Ostersamstag also ist es soweit, denn sonst, "sonst sind es irgendwelche, aber eben keine Oster-Eier!"

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