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Blockheizkraftwerk erzeugt ab Sommer 10,68 Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme pro Jahr

Genügend Bioenergie für 2300 Haushalte

Bad Nenndorf/Horsten (fox). Das Hallenbad in Bad Nenndorf soll ab September mit Bio-Wärmeenergie versorgt werden. Am vergangenen Dienstag hat der Kreisausschuss des Landkreises Schaumburg dem nötigen Vertrag mit der Bioenergie Nenndorf GmbH& Co KG zugestimmt (wir berichteten). Bis die Biogasanlage auf dem Feld zwischen Bad Nenndorf und Horsten jedoch die nötige Energie erzeugen kann, müssen deren Betreiber noch einmal die Ärmel hochkrempeln - für den baulichen Endspurt.

Gerd Willenberg (r.) und Mitbetreiber Thorsten Dehne vor dem Hau

Wer gut speist, der kann auch viel leisten. Dies gilt auch für die Milliarden von Bakterien, die in den grünen so genannten Nassfermentern während der "Anfahrphase" den nächsten Wochen bei einer konstanten Temperatur von 40 Grad Celsius herangezüchtet werden sollen. 12 000 Tonnen Maissilage sollen die vier unterschiedlichen Bakterienkulturen im regulären Betrieb pro Jahr "verdrücken" und Methangas erzeugen, wie Gerd Willenberg, technischer Mitarbeiter beim Raiffeisen-Landbund erklärt. Dafür ist eine Anbaufläche von rund 180 Hektar nötig - das entspricht rund 252 Standard-Fußballplätzen. Die gewonnene Gesamtenergie soll laut Willenberg bei rund 10,28 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liegen. Damit ließen sich rein rechnerisch rund 2300 Vier-Personen-Haushalte versorgen - oder rund ein Viertel von Bad Nenndorf. Das knapp 2,5 Millionen Euro teure Biogaskraftwerk am Stadtrand ist ausschließlich als Anlage für nachwachsende Rohstoffe konzipiert, wie Landwirt Thorsten Dehne erklärt. Er hält gemeinsam mit Kreislandwirt Heinz Schweer, Christian Reese, Konrad Wille und Dietmar Oltrogge drei Viertel der Anteile an der Bioenergie Nenndorf. Den Rest trägt der Raiffeisen-Landbund mit Sitz am Hafen Wiehagen. Zunächst soll Mais "gefüttert" werden, da dies die wirtschaftlichste Pflanze sei, sagt Dehne. In naher Zukunft sollen auch andere Feldfrüchte in den beiden Fermentern zur Methangewinnung dienen. Ebenso wäre es möglich, eines Tages Gülle in die Anlage zur Energiegewinnung zu pumpen. Dies hätte einen großen Vorteil: Die Rückstände, die nach dem Gärprozess übrig bleiben und zur Düngung auf die Felder ausgebracht werden, sind nahezu frei von Methan und Schwefel. "Es stinkt also nicht mehr", erklärt Willenberg. Zwei Formen von Energie soll die Biogasanlage mit angeschlossenem Blockheizkraftwerk (BHKW) ab Sommer liefern. Zum einen Strom, der durch die Verbrennung des Methangases in einem Motor mit angeschlossenem Generator erzeugt wird. Dank dieses Spezialaggregats wandelt der Generator die Motorleistung in rund 5,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr um. Diese Energie wird ins Netz eingespeist und per Gesetz vom Energieversorger vergütet. Die bei der Verbrennung des Gases entstehende Wärme wird als Heizenergie genutzt. Rund 4,68 Millionen Kilowattstunden pro Jahr entstehen so. Die Anlage arbeite effizient, erklärt Willenberg -der Gesamtwirkungsgrad des BHKW betrage 80 Prozent. Ab September versorgt die Bioenergie Nenndorf das Hallenbad an der Bahnhofstraße mit rund 1,4 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie jährlich, wie Willenberg erläutert. Einen kleinen Teil der erzeugten Energie benötige die Anlage selber, um beispielsweise das Gärsubstrat auf einer konstanten Temperatur zu halten. Dennoch bleiben immer noch mehr als drei Millionen Kilowattstunden an Wärmeenergie ungenutzt. "Diese Energie lässt sich nicht effizient speichern, die Anlage können wir zudem aus verfahrenstechnischen Gründen nicht abstellen oder mit wesentlich weniger Last laufen lassen", erklärt der Techniker, weshalb in der ersten Zeit der Nutzung ein Teil der Energie unvermeidlich verloren gehen werde. Doch wie Willenberg erläutert, führt die Betreibergesellschaft außer mit dem Landkreis bereits Gespräche mit der Stadt Bad Nenndorf und der Samtgemeinde sowie einem Unternehmen, das an Wärmelieferung interessiert ist. Stadtdirektor Bernd Reese stehe diesem Thema aufgeschlossen gegenüber. "Beispielsweise ließen sich mit der Bioenergie auch Schulen und Sporthallen heizen", sagt Willenberg. Zwar wollen sich der Techniker und auch Dehne nicht zu den verhandelbaren Preisen hierfür äußern. Jedoch versichern beide, dass die Biowärmeenergie signifikant günstiger ist als konventionelle Wärmeenergie. Deshalb istdie Betreibergesellschaft zuversichtlich, dass sie in den nächsten Monaten weitere Abnehmer findet. Dehne: "Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein."

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