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Israelischer Journalist aus dem Auetal liebt sein Land undübt Kritik

"Gelte nur als Nestbeschmutzer"

Lauenau (nah). Eigentlich schlagen zwei Herzen in der Brust von David Schmalz. Der Journalist aus Israel liebt sein Land und lobt es für Landschaft und Sehenswürdigkeiten. Aber zugleich übt er heftige Kritik an der Politik, an der Unterdrückung von Menschenrechten, an dem "perfekten Überwachungsstaat". Er nimmt kein Blatt vor den Mund, sondern verbreitet seine Sicht der Dinge in Büchern, Vorträgen und im Internet. Jetzt sprach er in Lauenau - vor Mitgliedern einer Reisegruppe, die demnächst das Land im Nahen Osten besuchen wollen, und weiteren Zuhörern.

Kritischer Blick auf die eigene Heimat: David Schmalz. Foto: nah

Schmalz hat es nicht weit. Seit einigen Jahren lebt der 62-Jährige im benachbarten Auetal. Von dort recherchiert das Mitglied einer europaweit tätigen Presseagentur, hält Kontakt zu Hilfesuchenden und sammelt und verbreitet über das Internet Informationen. Dabei würde er lieber heute als morgen zurück in seine Heimat, "weil sie so schön ist". Aber "ich gelte dort nur als Nestbeschmutzer." Sein größter Vorwurf: Im heutigen Israel gebe es hinsichtlich Rassismus und Geheimdienst erschreckende Parallelen zum Dritten Reich in Deutschland. Besonders das orthodoxe Judentum besitze den größten Einfluss. Selbst mit dem untergegangenen DDR-Regime sieht der Kritiker Gemeinsamkeiten: "Hier ist die Mauer gefallen; in Israel wird sie mit einer Höhe von acht Metern gebaut." Sein Fazit: "Ich will Frieden in meinem Land. Aber den wird es niemals geben." Dafür sei Israel zu sehr ein Armeestaat. Schmalz' Informationen blieben in der anschließenden Diskussion nicht ohne Kritik. Doch einige Zuhörer, darunter auch Pastor Dieter Meimbresse, berichteten von eigenen Erlebnissen, die die Vorwürfe des Journalisten bestätigten. Meimbresse, der im Frühjahr eine Reisegruppe durch das Land führen will, beruhigte jedoch die Anwesenden: "Wir als Touristen werden vermutlich kaum solche Beobachtungen machen." Gleichwohl sei es wichtig, sich auch dieser Hintergrundinformationen anzunehmen: "Das war hier heute kein Weißbrot, sondern grobkörniges Schwarzbrot." Demnächst will der Pastor Teilnehmer und interessierte Zuhörer zu einem weiteren Gesprächsabend einladen: Dann wird die Rolle der Religionen in Israel beleuchtet.

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