weather-image
Münchhausens Lügengeschichten gefallen bei den letzten "Poetischen Momenten"

Gelegenheit beim Schopfe ergriffen: Vom Bienenhüten zur Entenjagd

Bückeburg (dis). Für die dritte und letzte Runde der beliebten Reihe "Poetische Momente" des Kulturvereins 2006 hatte sich der künstlerische Leiter Frank Suchland etwas ganz Besonderes ausgedacht. Zu Gast in der ehemaligen Landfrauenschule war der Figurenspieler und Protagonist Gerhard Seiler und zwar mit "Münchhausens Abenteuern"im Gepäck.

Seiler als alter Diener Rösemeier und eine von ihm gesprochene sowie geschickt gehandhabte lebensgroße Puppe in Gestalt des greisen, 1720 in Bodenwerder geborenen Freiherrn Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen, bescherten den Zuhörern mit viel Liebe zum Detail und Instinkt für das richtige Tempo und Timing acht tolldreiste türkische, russische und deutsche Erlebnisse. Bilder, Szenen und Stimmungen wickelten sich lautmalerisch auf einer kleinen, aber feinen Bühne ab. Dort saß - von Rösemeier gehegt und gepflegt - der Baron im Lehnstuhl und ließ seine Märchen Revue passieren sowie von seinem Gehilfen aufschreiben. Den Hintergrund für dieses emsige Treiben bildeten die Absichten eines Verlages, der die unglaublichen Kriegs-, Jagd- und Reisegeschichten zu Wasser und zu Land drucken wollte. Dank oft geradezu akribischer Feinarbeit in der Darstellung glückte es dem Mimen und Fingerartisten aus Hannover schnell, sein Publikum phantasievoll in die schaurig-schöne Welt des Lügenbarons zu entführen. Mit sichtbarem Vergnügen verfolgte das wie immer den Saal bis auf den letzten Platz füllende Auditorium erst die Entdeckungsreise in den hohen Norden, dann erwachte der Freiherr plastisch illustriert auf einem Friedhof, und sein Pferd wieherte von der Spitze des Kirchturms. Darüber hinaus zog sich von Münchhausen samt Zossen am eigenen Schopf aus einem Sumpf heraus oder befand sich später einschließlich seines Dieners im Darm eines Walfisches. Es liegt auf der Hand, dass Seiler mit seinem Stoff-Kumpanen auch das ulkige Bienenhüten zum Leben erweckte und der Kanonen-Kugel-Klassiker ebenso wenig fehlte wie die amüsante Reise zum Mond. Die drollige Entenjagd erhielt indes in Zusammenhang mit der weniger drolligen Vogelgrippe einen "aktuellen" Touch. Der Schlussbeifall fiel großzügig aus, denn Gerhard Seile hatte seine nicht gerade leichte Aufgabe auf engstem Raum mit Engagement und Einfühlungsvermögen gelöst. Die nächsten "Poetischen Momente" finden übrigens erst im Januar, Februar und März 2007 zu gewohnter Zeit am gleichen Ort statt.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare